HDA-Studierendenprojekt: Was macht die Postsiedlung besonders? – Ergebnisse

HDA-Studierendenprojekt: Was macht die Postsiedlung besonders? – Ergebnisse

Es ist ein spannendes studentisches Forschungsprojekt: Frauke Butz, Bela Berg und Pia Beckmann, alle drei Studierende im Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt, haben sich einer spannenden Forschungsfrage gewidmet:

Zitat: „(…) finden sozial(politische) Aktivitäten in einem Stadtteil dann statt, wenn die im Quartier lebende Bevölkerung in ihrem Nahraum aktiviert wird. Die Aktivierung zur Bewegung ist ein grundlegender Aspekt der Psychomotorik. Es könnte also möglich sein, dass Psychomotorik auch in einem Stadtteil vorhanden ist, wenn die Bevölkerung aktiviert wird. Es stellt sich folglich die Frage, wie sich die Psychomotorik in sozialpolitischen Aktivitäten in einem Stadtteil sichtbar machen lässt. Dabei kommen die psychomotorischen Qualitäten ins Spiel, die wir in den Kategorien Dialog, Selbstwirksamkeit und Bewegung definiert haben.“

Strukturierte Stadtteilbegehung: Wichtige Orte im Quartier

In einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema und der Heranziehung von wissenschaftlicher Literatur und einigen Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Postsiedlung, in der u.a. die innovative Methode der Fotodokumentation von Lieblingsplätzen im Quartier zur Anwendung kommt, ziehen die drei Studierenden ein spannendes Fazit:

Zitat: „Abschließend lässt sich sagen, dass die drei untersuchten psycho-motorischen Qualitäten Bewegung, Dialog und Selbstwirksamkeit im
Darmstädter Stadtteil „Am Südbahnhof“ zu finden sind. Besonders häufig werden hier die Angebote und Orte des Vereines „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ genannt. Hier kann durch aktive Beteiligung Selbst-wirksamkeit erfahren werden, die Menschen kommen in Kontakt miteinander und die Anliegen der Bewohner*innen werden aufgegriffen. Somit stellt der Verein auch einen wichtigen Aspekt der Qualität Dialog dar.

Ebenso hervorzuheben sind die vielen Grünflächen im Quartier und die Nähe zur Natur, dies ist ein sehr bedeutsamer Aspekt der psychomotorischen Qualität Bewegung, doch die Natur regt nicht nur zur Bewegung an, hier kann man sich, wenn man für sich selbst ist, auch als wirksam erfahren. Auch das nachbarschaftliche Miteinander im Quartier ist wesentlicher Bestandteil der psychomotorischen Qualitäten im Viertel. Die herzliche Atmosphäre und die als wertvoll empfundene Gemeinschaft sind nicht nur wichtig für den Dialog, dass die Gemeinschaft etwas bewegen und wirksam sein kann, spiegelt außerdem die Qualitäten Bewegung, im Sinne der Weiterentwicklung, aber auch Selbstwirksamkeit wider.


Die Ergebnisse der qualitativen Interviews und der Autofotografie decken sich weitestgehend mit den Beobachtungen der strukturierten Stadtteilbegehung. Bereits hier sind die Grünflächen und Fußwege aufgefallen, sowie die gute Infrastruktur und auch die Angebote des Vereines „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“. Die Beobachtung, dass es wenige Angebote für Jugendliche gibt, und die Rüdesheimer Straße wie eine räumliche Grenze innerhalb des Stadtteils wirkt, konnten wir leider nicht weiterverfolgen, da unsere Stichprobe der Teilnehmenden dies nicht hergegeben hat. Aufgrund des zeitlichen Rahmens des Projektes und den Kontaktbeschränkungen wegen der Pandemie, war es uns leider nicht möglich mit noch mehr Bewohnerinnen des Quartiers Kontakt aufzunehmen. Sicherlich wäre es interessant die Stichprobe um Kinder und Jugendliche, Menschen über 65 Jahren und Bewohnerinnen des südlichen Teils des Stadtviertels zu erweitern, um auch diese Perspektiven berücksichtigen zu können und somit einen repräsentativen Blickwinkel darstellen zu können.


Mit den Ergebnissen dieses Projekts könnte konkret insofern weitergearbeitet werden, dass die Ergebnisse der Autofotografie in einer Gruppendiskussion mit allen Teilnehmenden oder auch noch anderen interessierten Personen besprochen werden und so einen Dialog über die Thematik in Gang bringt. Darauf aufbauend könnten die psychomotorischen Qualitäten im Sozialraum gemeinsam mit den Bewohner*innen verbessert und ausgebaut werden. So könnten beispielsweise auch Wünsche und Ideen, die bereits in diesem Forschungsprojekt genannt wurden, umgesetzt werden.

Das Projekt stieß bei den Teilnehmenden und auch darüber hinaus auf sehr positive Resonanz und großes Interesse. Die Teilnehmenden selbst haben zurückgemeldet, dass es für sie sehr interessant war, sich einmal so intensiv und reflektierend mit dem eigenen Sozialraum zu beschäftigen und sich dessen Ressourcen bewusst zu werden. Auch das Interesse von nicht direkt beteiligten Personen zeigt, dass es durchaus spannend wäre diesen Ansatz weiter zu verfolgen.“

Wir sagen DANKE für diese außergewöhnlich engagierte Forschungsarbeit! Und natürlich stünden wir auch gerne für jede Form der Fortsetzung zur Verfügung 🙂

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.