Neues biodiverses Konzept der Bauverein AG – von der Postsiedlung in die ganze Stadt

Neues biodiverses Konzept der Bauverein AG – von der Postsiedlung in die ganze Stadt

Kann man im Quartier Impulse setzen, die dann positive Auswirkungen auf eine gesamte Großstadt haben? Es ist möglich. Das neue biodiverse Konzept der Bauverein AG ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Zusammenwirken von innovativen und engagierten Köpfen des kommunalen Darmstädter Wohnungsunternehmens, eine die Dinge anpackenden Dezernentin samt ihres Umweltamtes und motivierten Menschen in und um unserem Quartierverein, die Welt ein klein wenig besser machen können.

Was war passiert? Anlässlich der entstandenen Idee im Frühsommer 2018, auf einem über 2000 Quadratmeter großen Grundstück in der Postsiedlung ein Refugium für die Pflanzen- und Tierwelt des Quartiers zu schaffen, gab es eine Reihe von fachlichen Gesprächen. In diesen Runden, an denen neben Vertretern der Bauverein AG, der Stadt Darmstadt (Umweltamt), dem BUND und einer ökologischen Fachplanerin auch unser Quartierverein beteiligt war, ging es schnell auch um das generelle Dilemma der „industriellen Grünflächenpflege“, nicht nur auf Grundstücken der Bauverein AG.

Wer aber sechs Mal im Jahr Rasen mäht, mit Laubbläsern durch sämtliche Ecken einer Grünfläche bläst, Hecken und Sträucher in der Brutzeit radikal beschneidet, der sollte sich nicht wundern, wenn Bienen, Vögel, Insekten oder kleine Tiere verschwinden. Da das bundesweit häufig so gemacht wird, ist das zumindestens eine konkrete Antwort auf das komplexe Thema des Artensterbens.

Die Gesprächsrunde war sich schnell einig, dass hier konkret gehandelt werden muss. Dank politischen Rückenwinds war es innerhalb eines überschaubaren Zeitraums möglich, dass wir in unserer vertraglichen Kooperation zwischen der Bauverein AG und unserem Verein nicht nur die Herrichtung des schönen Biotops vereinbarn konnten, sondern auch eine nach biodiversen Leitlinien veränderte Grünpflege in der Postsiedlung. Zur feierlichen Vertragsunterzeichnung im Sommer 2019 wurde auch dieser Veränderungsprozess gestartet.

Das Ziel: Vom Musterprojekt in der Postsiedlung, zur Umsetzung auf allen Flächen der Bauverein AG in der gesamten Stadt. Zahlreiche Gespräche mit den von der Bauverein AG beauftragten Grünflächenunternehmen folgten. Denn eins ist klar: Es muss sich vor allem auch die Mentalität in den Köpfen ändern. Dies betrifft nicht nur die Köpfe der MitarbeiterInnen der ausführenden Unternehmen, sondern auch die der Mieterinnen und Mieter der Bauverein AG.

Wie bei allen großen Projekten, muss irgendwo und irgendwann ein konketer Startschuss gegeben werden. Aufgrund der Corona-Pandemie in deutlich verkleinerter Runde, fand Ende April ein symbolischer Start im Herzen der Postsiedlung statt: Eine große Wiesenfläche in der oberen Binger Straße wird, zusammen mit einer weiteren Wiesenfläche in der Moltkestraße, zu einer biodiversen Wildblumenwiese umgestaltet. Diese wird max. zwei Mal im Jahr unter Einsatz eines speziellen Rasenmähers gemäht, welcher die Samen der mitunter wertvollen Pflanzen auf der Wiese verbleiben lässt und nicht aufsaugt und mitnimmt.

Um symbolisch das Terrain abzustecken, malten einige Kinder aus unserem Verein im Vorfeld viele bunte Holzpfosten an, die nun kunterbunte Botschafter der künftigen biodiversen Postsiedlung sind. Wir alle wissen, dass dieser Veränderungsprozess Zeit und Diskussionen mit sich bringen wird. Da sind zum einen einige Mieter, die am liebsten eine staubfreie Asphaltschicht auf jeder Grünfläche hätten, andere stören sich an jedem Grashalm der länger als 1 cm ist. Eines ist aber der großen Mehrheit aller Nachbarn mittlerweile klar geworden: Wir können in der Postsiedlung einen kleinen Beitrag für mehr Artenvielfalt leisten. Der Beginn ist gemacht.

Falls Sie sich in Zukunft über Gartenbaumitarbeiter ärgern, die in alter Manier Hecken und Sträucher kahlschneiden oder mit Laubbläsern die Verstecke von Igel & Co. ausblasen, dann geben Sie uns doch unter kontakt@postsiedlung.de Bescheid. Wir sammeln diese Berichte und werden sie an die Bauverein AG weitergeben, damit diese Gespräche mit den beauftragten Unternehmen führen kann, um sie an die neuen vertraglichen Bestimmungen zu erinnern.

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.