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Aktion Mensch Aktionstag: Kritischer Barriere-Check-Rundgang bei Geschäften im Quartier

Nach unseren Aktionen anlässlich der Aktion Mensch Aktionstage für die Rechte von Menschen mit Behinderung in den Jahren 2019 und 2021, sind wir natürlich auch in diesem Jahr wieder aktiv gewesen. Der diesjährige Plan: Wir checken in einem Rundgang die Barrieren für den Zugang zu Geschäften im Quartier. Auch die Bewegungsfreiheit innerhalb der Geschäfte stand im Fokus. Perfekt ausgestattet wurden wir im Vorfeld von der Aktion Mensch, die uns nicht nur Kampagnenmaterial, sondern auch eine vollausgestattete Barriere-CheckerInnen-Tasche zusandte.

Hintergrund: Nicht nur für Menschen im Rollstuhl, auch viele ältere Menschen mit Rollatoren oder Väter und Mütter mit Kinderwägen stellen Treppenstufen vor Geschäften oder eine allzu enge Gestaltung der Verkaufsfläche im innern der Geschäfte vor große Probleme. Da wir aber möchten, dass sich alle Menschen im Quartier in und um die Postsiedlung unabhängig bewegen können, machen wir mit diesem Aktionstag darauf aufmerksam.

In den Jahren zuvor sind hierzu auch zwei Filme entstanden, die wir gerne empfehlen:

Film 2021

Film 2019

Leider hatten wir in diesem Jahr ausgesprochenes Pech mit dem Wetter: Mitunter starker Regen, kalter Wind, kaum Sonne. Mehrere Rolli- und RollatorenfahrerInnen blieben deshalb lieber zu Hause, niemand wollte verständlicherweise klatschnass werden oder sich eine Erkältung einfangen. Sieben Hartgesottene machten sich aber trotzdem auf den Weg.

Natürlich kommen die Postsiedlungs-Barriere-CheckerInnen grundsätzlich unangekündigt und besuchen auch Orte, bei denen unsere Kritik nicht gut ankommt. Manchmal muss man sich eben streiten, damit Dinge besser werden.

Erste Station: Der Hofladen von Obstbau Geibel an der Bessunger Straße / Ecke Donnersbergring

Unser Ergebnis: Supergut finden wir den stufenlosen Eingangsbereich und die sehr breiten Gänge innerhalb des Geschäftes. Hier kann man ohne Probleme mit Rollstuhl oder Rollator rangieren. Die Regale sind nicht hoch, die allermeisten Dinge in Griffweite. Klasse! Nicht gut finden wir die alten, eher schweren Eingangstüren, die sich nur mit viel Kraftanstrengung öffnen lassen. Für die allermeisten Menschen mit Handicap eine Hürde, die sie unabhängig von fremder Hilfe nicht bewältigen können. Hier tut Änderung Not!

Zweite Station: Friseur Barbertime am Donnersbergring / Ecke Bessunger Straße

Unser Ergebnis: Drei Treppenstufen bis ins Geschäft, leider keine Rampe, obwohl der Platz hierfür vorhanden wäre. Leider ein negatives Urteil.

Dritte Station: Restaurant Flambee am Donnersbergring / Ecke Bessunger Straße

Unser Ergebnis: Unzählige Treppenstufen bis ins Restaurant, keine Rampe, nicht einmal ein separater Zugang, der an der Bessunger Straße möglich wäre, aber verbaut wurde. Leider ein negatives Urteil.

Vierte Station: Vertigo Optik an der Bessunger Straße / Ecke Heidelberger Straße

Unser Ergebnis: Mehrere Treppenstufen ins Geschäft. Allerdings müssen wir hier feststellen, dass der Bau einer Rampe aufgrund der äußerst engen Straßen und Bürgersteig-Situation baulich nicht möglich wäre. Die historischen Häuser an dieser Stelle lassen Barrierefreiheit oftmals nur in den seltensten Fällen realisieren. Daher: Nicht gut, aber wir haben Verständnis für die bauliche Lage.

Fünfte Station: Metzgerei Krug, Heidelberger Straße 80

Unser Ergebnis: Richtig gut finden wir die sich automatisch öffnende elektronische Schiebetür und die großzügige Gestaltung des Innenraums für Kunden. Super! Mit nur minimalen finanziellen Einsatz könnte hier mit einer mobilen Rampe ein mustergültig barrierefreies Geschäft entstehen. Wir werden Kontakt aufnehmen.

Sechste Station: Bäckerei Schwind, Heidelberger Straße 82

Unser Ergebnis: Sehr gut! Klasse finden wir die sich automatisch öffnende elektronische Schiebetür. Innen ist es etwas beengt, aber der Laden im historischen Haus ist baulich eben auch ziemlich klein. Positives Ergebnis!

Siebte Station: Bessunger Buchladen, Heidelberger Straße 81 B

Unser Ergebnis: Die kleine Stufe am Eingang wird während der Öffnungszeiten mit einer breiten Metallrampe sehr gut überbrückt. Der Buchladen ist auch im Innenraum mühelos mit Rollstuhl und Rollator befahrbar. Klasse! Die engagierte Inhaberin sagt, dass die Rampe eines der ersten Dinge war, die nach dem Umzug des Buchladens vom Eck gegenüber angefertigt wurde. Wir sagen DANKE für das Engagement! So einfach kann Barrierefreiheit sein.

Achte Station: Brillen Schmitt, Heidelberger Straße 81

Unser Ergebnis: Zwei Stufen bis zum Eingang, dahinter einer schwere Tür. Nicht gut! Obwohl hier der Bürgersteig so breit ist, dass eine Rampe ohne Probleme möglich wäre. Hier ist nun das Engagement der Eigentümer gefragt. Es gibt keine Ausrede für eine Verbesserung! Leider eine negative Bewertung.

Neunte Station: Uhren Pannnen, Heidelberger Straße 75

Unser Ergebnis: Viele Stufen bis zum Eingang, leider keine Rampe. Immerhin aber eine sich automatisch öffnende elektronische Tür. Hier haben es Rolli- oder RollatorenfahrerInnen richtig schwer und werden kaum hineinkommen. Daher leider ein negatives Urteil.

Zehnte Station: Hausarztpraxis Herzog und Stossberg, Ahastraße 5

Unser Ergebnis: So macht man das! Ein Musterbeispiel für Barrierefreiheit. Und ganz einfach zugleich: Eine kleine Rampe macht die Stufe vor dem Weg zum Haus für alle überwindbar. Im Haus selbst gibt es auch noch einen Fahrstuhl. Wunderbar, grüner Daumen hoch!

Elfte Station: Donnersberg-Apotheke, Ahastraße 24

Unser Ergebnis: Da hat der/die EigentümerIn richtig Geld in die Hand genommen. Vor nicht allzu langer Zeit waren hier noch Stufen, jetzt gleitet man problemlos eine leichte Steigung zur Eingangstür. Baulich super gelöst! Aber: Jetzt wartet dort noch eine schwerfällige Eingangstür, die ohne fremde Hilfe für viele Menschen mit Handicap wohl nicht zu öffnen ist. Eine sich automatisch öffnende elektronische Tür könnte eine Lösung sein. Daher grüner Daumen, leicht abgesenkt.

Zwölfte Station: Praxis am Ingelheimer Garten, Ingelheimer Straße 1

Unser Ergebnis: Wir waren hier schon im Jahr 2019 und haben die InhaberInnen mit der Situation konfrontiert. Ergebnis: Eine eher emotionale Reaktion. Dabei gibt es keine Ausrede mehr: Die Eigentümergemeinschaft des Hauses hat die barrierefreie Umgestaltung an den Geschäften mehrheitlich beschlossen. Daher: Taten statt Warten! Heute erneut ein negatives Urteil.

Ausgelassen haben wir heute die Bäckerei Bormuth in der Ingelheimer Straße. Der Bäckereibesitzer Herr Bormuth ist hochmotiviert die Situation ins Positive zu verändern, die Hauverwaltung Sohrweide mittlerweile ebenso. Aktuell liegt der Ball beim Besitzer des Ladens, der aber wohl schwer erkrankt ist. Wir sind hier kontinuierlich am Thema dran!

Nach zwölf Stationen und ziemlich durchnässt, beendeten wir unseren Rundgang durchs Quartier mit heißem Kaffee und Bormuth-Gebäckstückchen im Quartierladen.

Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder – keine Frage!

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.