Darmstädter Echo vom 27.05.2016: Der neue Quartierladen in der Binger Straße soll Treffpunkt der Anwohner werden

Original-Artikel im Darmstädter Echo vom 27.05.2016

POSTSIEDLUNG: Der neue Quartierladen in der Binger Straße soll Treffpunkt der Anwohner werden / Für die Einrichtung wird noch Mobiliar gesucht

DARMSTADT – Der jetzt eröffnete Quartierladen in der Binger Straße 8b geht auf eine Initiative des 2015 gegründeten Vereins „Zusammen in der Postsiedlung“ zurück. Die Bauverein AG hat das Projekt großzügig unterstützt und damit überhaupt erst ermöglicht.

Jetzt haben die rund 1000 Bewohner der Postsiedlung endlich eine eigene Begegnungsstätte. Stolz führt Bastian Ripper, einer der Initiatoren, durch den großen, noch spärlich möblierten Hauptraum des neuen Quartierladens.

Immerhin gibt es schon einen großen Tisch mit Stühlen, eine kleine Beschäftigungsecke für Kinder, eine Theke – und einen gespendeten Flachbildschirm. Während der Fußball-Europameisterschaft sollen sich die Postsiedler um ihn versammeln, denn nichts verbindet so sehr wie das Fachsimpeln über die Schwalbe im Sechzehn-Meter-Raum und das gemeinsame Daumendrücken für „Jogis Jungs“.

Die Postsiedlung verdankt ihren Namen der Tatsache, dass in den früher sehr preiswerten Wohnungen von Oppenheimer-, Binger- und Moltkestraße vorwiegend Postbedienstete lebten. Vor etwa zehn Jahren plante der Bauverein eine Generalsanierung, der einige Häuser in der Oppenheimer Straße zum Opfer fallen sollten. Dagegen protestierte eine Bürgerinitiative mit Bastian Ripper an der Spitze. „Es war eine turbulente Zeit“, sagt er im Nachhinein. Bastian Ripper, in der Siedlung aufgewachsen, setzte sich vehement für die Interessen der Mieter ein. Zusammen mit dem Bauverein wurde schließlich ein Kompromiss gefunden.

„Ein Stück Identität“ war erwünscht

Der Gründung des Vereins „Zusammen in der Postsiedlung“ ging ein Fest vor drei Jahren voraus, zu dem die evangelische Matthäusgemeinde in die Binger Straße eingeladen hatte. Pfarrer Andreas Schwöbel war aufgefallen, dass sich die Postsiedler weder der Heimstättensiedlung noch Bessungen zugehörig fühlten. Sie brauchten und wollten „ein Stück Identität“ und einen Ort der Begegnung. Der Verein, dessen zweiter Sprecher Schwöbel nun ist, trieb die Idee voran.

Dann kam der Bauverein ins Spiel, der den Initiatoren den ehemaligen, leer stehenden Edeka-Markt in der Binger Straße als Quartierladen anbot und sich bereit zeigte, die Räume und den Sanitärbereich zu renovieren.

„Die Nachbarschaft organisiert sich selbst“, erklärt Bastian Ripper das Konzept; es werde keine Sozialarbeit geleistet. Die ersten beiden Angebote sind ein Nähcafé, das alle 14 Tage am Mittwochsabend geöffnet ist, und eine Vorlesestunde für Kinder am Montagnachmittag. Bis zu 20 Angebote in Selbstorganisation sollen im Laufe der Zeit dazukommen. Im Verein arbeiten die Pfarrer der Matthäusgemeinde und der katholischen Pfarrei Liebfrauen, Vertreter der Heinrich-Heine-Schule und der Nieder-Ramstädter Diakonie mit, die in drei Wohnungen der Binger Straße neun Personen stationär betreut.

Bei der Eröffnung des Quartierladens sagte Sozialdezernentin Barbara Akdeniz, er sei „ein Gewinn für die Nachbarschaft“ und ein tolles Beispiel dafür, wie eine Idee der Bürger umgesetzt werden könne. Ein Quartier brauche Räume der Begegnung, damit Zugezogene und Alteingesessene miteinander ins Gespräch kämen.

Bastian Ripper, erster Sprecher des Vereins, versäumte nicht, der Sozialdezernentin und dem Vertreter des Bauvereins, Günther Schmitzer, „Wunschzettel“ in die Hand zu drücken. Denn es wird noch viel für die Einrichtung gesucht, wie auch auf der Homepage www.postsiedlung.de nachzulesen ist.

Am Samstag, 18. Juni, wird ab 15 Uhr im und vor dem Laden ein Postsiedlungsfest gefeiert. Dann ist die Straße von 14 bis 20 Uhr für Durchgangsverkehr gesperrt.