„Von ihnen lasse ich mich nicht bedienen. Gehen sie gefälligst in das Land zurück, aus dem sie gekommen sind.“ So gesagt unter Zeugen, mehrfach bestätigt von der betroffenen Mitarbeiterin, auch gegenüber der Polizei. Passiert am letzten Samstag in einer Bäckereifiliale in der Heimstättensiedlung, von einem Mann mit Brille im schwarzen Anzug, so die betroffene Bäckereiverkäuferin. Er wollte von der blonden deutschen Verkäuferin bedient werden. Die AfD Darmstadt veranstaltete in direkter Nähe einen großen Infostand. Es war nach Angaben der Verkäuferin an diesem Samstag Vormittag eine üble, aufgeladene Stimmung zu vernehmen.
Die betroffene Mitarbeiterin reagierte aber mit Rückgrat: Sie bediente den Mann nicht und forderte ihn zum Verlassen der Filiale auf. Ein mutiger und couragierter Schritt, wie wir finden. In solchen Situationen im Alltag Widerstand zu leisten, laut zu widersprechen, ist angesichts der politischen Situation im Land nötiger denn je.
Interessant: Als die Polizei die Bäckereiverkäuferin zur Suche nach dem Mann zum benachbarten Straubplatz begleitete, war plötzlich ein AfD-Aktiver mit Brille und schwarzen Anzug nicht mehr an deren Infostand anzutreffen. Ob es einen Zusammenhang gibt? Wir wissen es nicht. Für die Polizei war die Sache daher nach 5 Minuten abgeschlossen.

Unser Quartierarbeiter war vor Ort und konnte auch mit der betroffenen Mitarbeiterin persönlich sprechen. Im Nachgang des in jeder Hinsicht erkenntnisreichen Vormittags, vereinbarten einige Aktive unseres Vereins „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“, dass wir der jungen Bäckereimitarbeiterin den Rücken stärken, aber auch DANKE für ihren Mut sagen möchten. Die Aktiven hatten hierzu, aus privaten Taschen und abseits der Vereinsfinanzen, 300,- Euro und Geld für einen Blumenstrauß zusammengelegt. Wir wollten nicht nur symbolisch DANKE sagen.
Daher kontaktierten wir die Geschäftsführung der Bäckereikette in den Tagen danach, schilderten den Vorfall und baten um die Erlaubnis, die betroffene Mitarbeiterin unsere öffentliche Danksagung zukommen zu lassen. Die Geschäftsführung reagierte auf unsere Kontaktaufnahme, bat uns zu unserer Überraschung aber zuerst, dass wir den Namen der Bäckerei nicht nennen sollten. Daher halten wir uns selbstverständlich, auch wenn wir es nicht nachvollziehen können.
Man schreibt uns unter anderem: „Das von Ihnen geschilderte Verhalten nehmen wir sehr ernst. Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir bei XYZ (Name des Unternehmens, gelöscht) Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung in keiner Form dulden. Ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander ist für uns selbstverständlich – sowohl gegenüber unseren Kundinnen und Kunden als auch innerhalb unseres Teams.“ (…)
„Für Ihr Angebot, unserer Mitarbeiterin persönlich zu danken und ihr einen Anerkennungsbeitrag zukommen zu lassen, bedanken wir uns ebenfalls herzlich. Wir möchten jedoch darum bitten, von einer öffentlichen Nennung bzw. Veröffentlichung unseres Unternehmens abzusehen.“
„Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass wir uns als Unternehmen bewusst parteipolitisch neutral verhalten. Daher möchten wir weder einzelne Parteien bewerten noch uns an parteipolitischen Diskussionen oder Positionierungen beteiligen.“
Das bedeutet, dass die Geschäftsführung der Bäckerei aufgrund des Vorfalls weder die Absicht hat, sich öffentlich zu positionieren, noch diesen Vorfall zum Anlass einer klaren Stellungnahme zu nehmen. Die Mitarbeiterin darf unsere Danksagung nicht an ihrem Arbeitsplatz entgegennehmen, sondern als Privatperson in einem Umfeld abseits der Bäckerei.
Menschen aus unserem Aktivenkreis empfinden dieses Vorgehen der Geschäftsführung der Bäckerei als „Gratismut“. Man positioniert sich zwar formal gegen Rassismus und Diskriminierung, wie es mittlerweile jede McDonald Filiale tut, taucht im Ernstfall dann aber unter. Mit dem Vorfall will man öffentlich nicht in Verbindung gebracht werden. Die betroffene Mitarbeiterin soll die Anerkennung für ihre Zivilcourage dann doch im strikt privaten Rahmen annehmen. Ganz so, als ob ihr die Sache nicht auf ihrem Arbeitsplatz, sondern privat passiert wäre.
Einen Vorteil hat diese Vorgehensweise der Geschäftsführung ganz eindeutig: Man kann weiterhin ganz ohne Störgeräusche die belegten Brötchenplatten an Kunden ausliefern, die gerne ein reines „Deutschland für Deutsche“ hätten. Die könnten sich sonst gestört fühlen, wenn die Bäckerei sich mit geraden Rücken und klarer Haltung zu diesem Vorfall positioniert hätte.
Unser Engagement für ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Quartier – machen sie mit!
Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.
