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Quartierpflege: Unser „Essen auf Rädern“-Test // Teil VI: Alternativen aus dem Supermarkt II und Fazit

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Das „Essen auf Rädern“ ist über die Jahrzehnte zu einem geflügelten Wort für die Belieferung von Seniorinnen und Senioren mit einer warmen Mahlzeit zur Mittagszeit geworden. Auch bei uns im Quartier sind täglich mehrere unterschiedliche Anbieter unterwegs und beliefern ihre KundInnen.

Doch wie steht es um die Qualität der dort gelieferten Speisen? Wie ist das Preis – Leistungsverhältnis? Und gibt es vielleicht sogar kostengünstige Alternativen? Wir wollten die Sache einmal grundlegend anpacken, damit wir in unserer Solidarischen Quartierpflege anschließend fundierte Aussagen treffen können, nicht von den bunten Prospekten der Anbieter abhängig sind.

In einem wochenlangen Test haben einige Aktive von uns – darunter unser Quartierarbeiter – mehrere Anbieter getestet. Selbstverständlich ohne das Wissen der Anbieter. Und natürlich auch auf eigene Kosten, es wurden hierfür keine Gelder des Vereins eingesetzt.

Wichtige Vorabbemerkung: Ein unschlagbarer Vorteil von „Essen auf Rädern“ ist die soziale Komponente einer Lieferung direkt an die Haustür. Der Bote klingelt, hat ein paar freundliche Worte auf den Lippen, hilft auch mal bei der Öffnung der Verpackung. Wer auf solche Begegnungsmomente Wert legt, für den ist die tägliche Lieferung sicher eine gute Sache. Wobei: Es gibt auch andere Lieferdienste für Essen, die auch persönlich vorbeikommen. Dieser Aspekt wird im Laufe des Tests vor allem beim Preis – Leistungsverhältnis noch interessant sein.

Im heutigen sechsten Teil möchten wir Alternativen aus dem Supermarkt II vorstellen:

Fertigmahlzeiten aus dem Supermarkt im Test: Top(f)-Qualität?

In diesem zweiten Teil des Supermarkt-Tests, haben wir uns die Frage gestellt, welche Alternativen zu den „Essen auf Rädern“ Anbietern in den Supermarktregalen existieren. Für diesen Teil haben wir u.a. Penny nach Fertigmahlzeiten durchforstet.

Hierbei sind wir beim Einkauf nach den folgenden Kriterien vorgegangen:

  • ganzjährig verfügbar
  • preislich lohnenswerter als Essen auf Rädern
  • sofort essfertig
  • einfache Zubereitung ohne Kochkenntnisse mithilfe einer Mikrowelle

Und für den Geschmackstest haben wir vor allem geachtet auf:

  • Mundgefühl
  • Aussehen
  • Geschmack
  • Portionsgröße

Hacksteak Ungarischer Art mit Langkornreis und Gemüse von Penny

Typische einfache Zubereitungsweise: Folie einstechen, einige Minuten in Mikrowelle oder Wasserbad erhitzen, fertig.

Unser Tester schreibt: Optisch kommt das Hacksteak der Abbildung sehr nahe. Das Gemüse ist nicht so farbenfroh, der Reis ist nicht ganz so strahlend weiß, aber insgesamt ist das sehr nah am versprochenen Gericht. Der Anteil an Soße ist relativ hoch, aber mit der Menge an Reis passt das noch gut zusammen. Geschmacklich ist der Reis nur durch eben diese Soße genießbar. Das Gemüse ist sehr weich, nur der Mais hat noch etwas Biss. Das Gemüse ist durch den Mais aber insgesamt ungewöhnlich süß. Reis und Gemüse überzeugen nicht. Das Hacksteak ist ganz klar, wo sich Mühe gegeben wurde. Es ist tatsächlich lecker und auch die Soße passt gut. Leider ist es insgesamt relativ salzig. Insgesamt hätte ich mir etwas mehr (und besseres) Gemüse gewünscht. Für den Alltag hätte ich von diesem Gericht sicher schnell genug, aber als Ausnahme oder Abwechslung ist es in Ordnung.

Preis: Mit 2,29 Euro ein unschlagbar günstiger Preis. Fast fragt man sich schon: Ist das nicht zu billig?

Rostbratwürstchen mit Kartoffelpüree und Weinsauerkraut

Typische einfache Zubereitungsweise: Folie einstechen, einige Minuten in Mikrowelle oder Wasserbad erhitzen, fertig.

Unser Tester schreibt: Vorneweg: Ich hatte mir hier viel mehr erwartet. Als Kind der Tiefkühl-Dienst-Generation habe ich ähnliche Gerichte immer mal gegessen und hatte mich eigentlich darauf gefreut. Die Kombination aus Würstchen, Kartoffelbrei und Sauerkraut ist ja aus gutem Grund ein Klassiker.

Penny liefert leider nicht. Selbst für Fertig-Kartoffelbrei ist das eine ziemliche Zumutung. Massiv, klebrig und mit einem Hauch Pappdeckel verfeinert. Trotzdem war es das Sauerkraut, das mich am meisten enttäuscht hat. Fertiges Sauerkraut in Tüten kann relativ gut sein. Das hier hatte aber einen deutlichen Beigeschmack und sauer oder knackig war es auch nicht. Farblich machten beide keinen besonderen Appetit. Die Rostbratwürstchen fallen ziemlich kurz aus und sind ungewöhnlich weich. Geschmacklich würde ich da noch „OK“ sagen. Die Soße ist auch eine relativ normale Fertigsoße und relativ salzig. Insgesamt kann ich das Gericht nicht empfehlen. Wer zwei Töpfe zu Hause hat, kann mit übersichtlichem Aufwand und ohne Vor-Erfahrung etwas Besseres zubereiten. Fertig-Kartoffelbrei, Fertig-Sauerkraut und Rostbratwürstchen aus dem Kühlregal sind auch in wenigen Minuten fertig, aber meines Erachtens schon ein deutlicher Schritt nach vorne.

Preis: Mit 2,29 Euro ebenfalls unschlagbar günstiger Preis.

Kohlroulade mit Kartoffelwürfeln und Möhren und Erbsen von Lidl

Unsere Testerin schreibt: Gericht für den kleinen Hunger. Die Kohlroulade war in Ordnung, die Soße allerdings stark gewürzt. Die Kartoffeln und Gemüse waren noch im „grünen Bereich“. Unsere Testerin würde das Gericht nicht wieder einkaufen. Sie vergibt eine 3 minus als Schulnote.

Preis: Mit 2,79 Euro ebenfalls ein günstiger Preis.

Hühnerfrikassee mit Langkornreis und einer feinen Gemüsemischung von Lidl

Die Zubereitung ist einfach und typisch für Fertiggerichte. Plastikfolie einstechen, ein paar Minuten in die Mikrowelle, fertig. Erhitzen im Wasserbad wäre ebenfalls gegangen.

Unser Tester schreibt: In der Plastikverpackung präsentiert sich das Essen nicht sonderlich ansprechend, deswegen habe ich es auf einen Teller angerichtet. Trotzdem erhält es für die Optik eher ein „ausreichend“. Insbesondere die graue Soße beim Hühnerfrikassee und der leicht bräunliche Reis sehen nicht sehr einladend aus. Geschmacklich geht das Fertiggericht in Ordnung. Der Reis ist erstaunlich normal. Das Gemüse ist sehr weich, besteht zum weit größeren Teil aus Karotten und schmeckt allgemein nach Gemüse. Das Hühnerfrikassee selbst hat mehr Soße als abgebildet ist, das passt ganz gut zum eher trockenen Reis. Das Hühnchen schmeckt nach Hühnchen. Positiv ist hervorzuheben, dass es nicht zu salzig ist. Alles zusammen lässt sich tatsächlich für ein Fertiggericht gut essen. Die standardisierte Menge ist für Erwachsene nicht besonders groß. Die Packung ergibt einen Teller wie abgebildet. Insbesondere aktivere Menschen werden danach bald wieder Hunger haben.

Preis: Mit 2,79 Euro ebenfalls ein günstiger Preis.

Fassen wir die Ergebnisse unseres sechsteiligen Tests zusammen:

Vergleicht man die Ergebnisse der klassischen „Essen auf Rädern“ Anbieter mit den von Supermärkten vorgehaltenen Fertiggerichten, ist der preisliche Unterschied der dominierende Faktor: Die dort angebotenen Mahlzeiten sind immer 3 – 4x so teuer als die von den Supermärkten vorgehaltenen Fertiggerichte.

Bedeutet: Zwei Mahlzeiten beim ASB-Menüservice kosten in Teilen so viel, wie man im Supermarkt für eine ganze Woche der gezeigten Fertiggerichte ausgeben muss. Dabei kocht der ASB nicht selbst, sondern erhitzt ebenso wie die Landhaus-Küche lediglich Tiefkühlgerichte aus der Fabrik. Auch geschmacklich gibt es keinen großen Unterschied. Entäuscht kann man vom selbsternannten Premium-Anbieter Rotes Kreuz sein. Da kommt das Essen zwar „auf dem Porzellanteller“ und es wird frisch gekocht, ist von der Qualität aber oftmals unterirdisch. Und das bei Premiumpreisen. Kulinarisch überzeugt hat vor allem der Tiefkühl-Anbieter „Tellerglück“ der eine gute und abwechslungsreiche Küche anbietet. Wer aber keinen riesengroßen Geldbeutel hat, der fährt mit dem Angebot der Supermärkte ganz gut. Ergänzt mit Salat und frischem Obst, kann das deutlich gesünder und preiswerter sein, als klassische „Essen auf Räder“ Anbieter.

Bleiben sie kritisch und lassen sich nicht schlechte Qualität zu hohen Preisen unterschieben!

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.