Das „Essen auf Rädern“ ist über die Jahrzehnte zu einem geflügelten Wort für die Belieferung von Seniorinnen und Senioren mit einer warmen Mahlzeit zur Mittagszeit geworden. Auch bei uns im Quartier sind täglich mehrere unterschiedliche Anbieter unterwegs und beliefern ihre KundInnen.
Doch wie steht es um die Qualität der dort gelieferten Speisen? Wie ist das Preis – Leistungsverhältnis? Und gibt es vielleicht sogar kostengünstige Alternativen? Wir wollten die Sache einmal grundlegend anpacken, damit wir in unserer Solidarischen Quartierpflege anschließend fundierte Aussagen treffen können, nicht von den bunten Prospekten der Anbieter abhängig sind.
In einem wochenlangen Test haben einige Aktive von uns – darunter unser Quartierarbeiter – mehrere Anbieter getestet. Selbstverständlich ohne das Wissen der Anbieter. Und natürlich auch auf eigene Kosten, es wurden hierfür keine Gelder des Vereins eingesetzt.
Wichtige Vorabbemerkung: Ein unschlagbarer Vorteil von „Essen auf Rädern“ ist die soziale Komponente einer Lieferung direkt an die Haustür. Der Bote klingelt, hat ein paar freundliche Worte auf den Lippen, hilft auch mal bei der Öffnung der Verpackung. Wer auf solche Begegnungsmomente Wert legt, für den ist die tägliche Lieferung sicher eine gute Sache. Wobei: Es gibt auch andere Lieferdienste für Essen, die auch persönlich vorbeikommen. Dieser Aspekt wird im Laufe des Tests vor allem beim Preis – Leistungsverhältnis noch interessant sein.
Im heutigen fünften Teil möchten wir Alternativen aus dem Supermarkt I vorstellen:
Fertigmahlzeiten aus dem Supermarkt im Test: Top(f)-Qualität?
In diesem ersten Teil des Supermarkt-Tests, haben wir uns die Frage gestellt, welche Alternativen zu den „Essen auf Rädern“ Anbietern in den Supermarktregalen existieren. Für diesen Teil haben wir Edeka und Lidl nach Fertigmahlzeiten durchforstet.
Hierbei sind wir beim Einkauf nach den folgenden Kriterien vorgegangen:
- ganzjährig verfügbar
- preislich lohnenswerter als Essen auf Rädern
- sofort essfertig
- einfache Zubereitung ohne Kochkenntnisse mithilfe einer Mikrowelle
Und für den Geschmackstest haben wir vor allem geachtet auf:
- Mundgefühl
- Aussehen
- Geschmack
- Portionsgröße
Brüder Tress Bio Bauern-Eintopf mit Veggie-Hack, 450g


Preis: 4,49 €
Verfügbar im: Edeka, Kühlregal
Pro: Bio, geschmacksintensiv, üppig
Kontra: sehr suppig – für Eintopf zu dünn, etwas teuer


Geschmacklich am überzeugendsten: der Bauerneintopf der Tress-Brüder hat beinahe Restaurantqualität. Trotz des dominant-würzigen Hack-Aromas kommen die Karotten, Kartoffeln und Paprika gut zum Vorschein. Das ist auch kein Wunder in Anbetracht des Markennamens Tress, denn ursprünglich ist das Familienunternehmen für Catering und Restaurants bekannt. Ruf und Name haben jedoch auch ihren Preis, und damit gehört der Eintopf zu den teuersten getesteten Produkten: 4,49 Euro pro 450g-Becher. Die Zubereitung erfolgt hingegen denkbar einfach und schnell, nur vier Minuten braucht der Becher in der Mikrowelle. Der eindeutige Favorit.
Bio Tortelloni Spinat mit Tomatensauce, 350g (200g Nudeln, 150g Sauce)


Preis: 4,99 €
Verfügbar im: Edeka, Kühlregal
Pro: Bio, überzeugende Sauce
Kontra: Tortelloni mehlig, Deckelfolie schwer ablösbar


Die Tomatensauce dominiert eindeutig das Geschmacksbild, fruchtig-tomatig, an Miracoli-Sauce erinnernd. Zum Glück gibt es hiervon auch reichlich, denn etwas schwächer fallen die Tortelloni aus: der Spinat geht durch die Wucht der Tomatensauce leider etwas unter. Auch im Mundgefühl wirken die gefüllten Nudeln eher ein wenig mehlig. Minuspunkte gibt es noch für die verschwenderische Verpackung, die sich teilweise eher schwer öffnen lässt. Hier helfen Messer oder Schere. Leckerer Happen, happiger Preis: mit 4,99 pro 350g-Box ist die Edeka Bio Eigenmarke sogar noch ein Stück teurer als der Tress-Eintopf.
Rotes Curry Thai Style, 400g


Preis: 2,69 €
Verfügbar im: Lidl, Tiefkühlabteilung
Pro: fruchtig würzig, exotisch
Kontra: scharf, zu weich gekocht


Da es sich bei dieser Nudelzubereitung um Tiefkühlware handelt, braucht die Schale rund 10 Minuten in der Mikrowelle – deutlich länger als die obigen Produkte aus dem Kühlregal. Ungewöhnlich kompliziert ist auch die Zubereitung, die en detail auf der Verpackung beschrieben wird: die Schutzfolie funktioniert als Art Dampfgarer, darf also im Gegensatz zum üblichen Ablauf vor dem Erhitzen weder eingestochen noch entfernt werden. Etwas verkocht, insbesondere die Bandnudeln, dafür aber umso exotischer: Mangostücke und Babymais kontrastieren die sonst leicht scharfe Kokos-Curry-Sauce mit einer angenehmen Süße. Mit 2,69 Euro pro 400g-Schale ist das Preis-Leistungs-Verhältnis eindeutig unschlagbar.
Edeka Herzstücke: High Protein Linsen-Curry mit Süßkartoffeln, 400g


Preis: 3,49 €
Verfügbar im: Edeka, Tiefkühlabteilung
Pro: proteinreich, sättigend
Kontra: trocken, zu weich


An proteinreichen Hülsenfrüchten und Sojabohnen wurde nicht gespart, dafür jedoch am geschmacksgebenden Gemüse. Viel Substanz, noch mehr Reis, aber wenig versprochener Brokkoli oder Kürbis, die Süßkartoffeln sind leider nur optisch bemerkbar. Auch die breiartige Konsistenz überzeugt überhaupt nicht. Diese Proteinbombe erinnert mehr an Gemüsebrühe als an Curry. Nahrhaft, sättigend, bisweilen sogar gesund – geschmacklich aber leider ziemlich enttäuschend.
Freshona Bio Gemüse Französische Art, 600g


Preis: 2,49 €
Verfügbar im: Lidl, Tiefkühlabteilung
Pro: gute Basis zum Weiterverarbeiten, sättigend, Bio
Kontra: wässrig, fast geschmacklos

Viele Bohnen, reichlich Mais und Karotten. Leider aber auch rohe Zwiebeln, die trotz des 14-minütigen (!) Garvorgangs in der Mikrowelle kaum genießbar werden. Der Hersteller bewirbt das Produkt als “pfannenfertig vorgewürzt”, es lässt sich aber nicht viel mehr Positives sagen. Die wässrige Würzmischung mit Kräutern der Provence haftet kaum am Gemüse, sondern sammelt sich als Suppe auf dem Tellerboden an – und hinterlässt einen Berg geschmackloser und trockener Paprika, Bohnen und Pilzen. Nichtsdestotrotz gibt die “französische” Brühe allerlei Denkanstoß für die Weiterverarbeitung. Zusätzlicher Rahm, Mehlschwitze oder ein Schuss Weißwein, gepaart mit einer Scheibe Brot könnten diese Gemüsezubereitung durchaus retten. Pfannenfertig: ja. Ready to eat: eindeutig nein.
Unser Fazit nach dem ersten Supermarkt-Test: Vergleicht man Preis und Geschmack zu den etablierten „Essen auf Rädern“ Anbietern, so kann schon jetzt die Tendenz aufgezeigt werden, dass der Einkauf im Supermarkt eine echte Alternative zu sein scheint. Die Supermärkte Edeka und Lidl besitzen allerdings keinen Lieferdienst für ihre Produkte. Andere Supermärkte hingegen schon. Doch dazu mehr im nächsten Teil des Tests…
Großer Dank an unsere beiden Tester!
Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.
