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Quartierpflege: Unser „Essen auf Rädern“-Test // Teil II: Menüservice des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Darmstadt

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Das „Essen auf Rädern“ ist über die Jahrzehnte zu einem geflügelten Wort für die Belieferung von Seniorinnen und Senioren mit einer warmen Mahlzeit zur Mittagszeit geworden. Auch bei uns im Quartier sind täglich mehrere unterschiedliche Anbieter unterwegs und beliefern ihre KundInnen.

Doch wie steht es um die Qualität der dort gelieferten Speisen? Wie ist das Preis – Leistungsverhältnis? Und gibt es vielleicht sogar kostengünstige Alternativen? Wir wollten die Sache einmal grundlegend anpacken, damit wir in unserer Solidarischen Quartierpflege anschließend fundierte Aussagen treffen können, nicht von den bunten Prospekten der Anbieter abhängig sind.

In einem wochenlangen Test haben einige Aktive von uns – darunter unser Quartierarbeiter – mehrere Anbieter getestet. Selbstverständlich ohne das Wissen der Anbieter. Und natürlich auch auf eigene Kosten, es wurden hierfür keine Gelder des Vereins eingesetzt.

Wichtige Vorabbemerkung: Ein unschlagbarer Vorteil von „Essen auf Rädern“ ist die soziale Komponente einer Lieferung direkt an die Haustür. Der Bote klingelt, hat ein paar freundliche Worte auf den Lippen, hilft auch mal bei der Öffnung der Verpackung. Wer auf solche Begegnungsmomente Wert legt, für den ist die tägliche Lieferung sicher eine gute Sache. Wobei: Es gibt auch andere Lieferdienste für Essen, die auch persönlich vorbeikommen. Dieser Aspekt wird im Laufe des Tests vor allem beim Preis – Leistungsverhältnis noch interessant sein.

Im heutigen zweiten Teil möchten wir den sog. Menüservice des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Darmstadt vorstellen. Der Anbieter wirbt auf seiner Internetseite u.a.mit den Aussagen „Unsere Menüs werden täglich frisch, schmackhaft, mit Zutaten von Höfen aus der Region, zubereitet. Ein Menü besteht aus einer Vorspeise, einem Hauptgericht und einem Dessert.“

(…)„das Menü wird heiß auf hochwertigem Porzellan in einer Warmhaltebox geliefert. Außerdem ist das Auge mit – und wer mag schon Alu oder Plastik?“ (Anmerkung: Tippfehler im Original, Abruf am 08.03.2026 unter https://www.drk-darmstadt.de/angebote/alltagshilfen/mahlzeitendienst.html)

„Die zuverlässige Lieferung erfolgt zwischen 11.00 und 13.15 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen.“

Unsere Kriterien:

  • Frischgekochtes Essen: Ja
  • Tägliche Lieferung an die Haustür: Ja
  • Zeitpunkt der Lieferung: in der Regel zwischen 13:00 – 13:45 Uhr
  • Noch warm zur Zeit des Mittagsessens (12:30 Uhr): Ja. Wurde aber später als 12:30 Uhr geliefert.
  • Freundliche LieferantInnen: Ja
  • Qualität des Essens: Siehe ausführliche Berichte + Fotos…

Montag, erster Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: So kommt die Warmhaltebox an…
Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Blick in die Box am ersten Tag. Die Silikonhaube ist immer auf dem Teller + ggf. auf Suppenschalen
Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Montag – Reisauflauf mit weißer Sauce, dazu zwei Mandarinen und eine Birne – kostet 13,10 Euro

Der Auftakt am Montag der Woche ist durchmischt. Der Reisauflauf mit Erbsen, Karotten und Paprika-Stückchen schwimmt in einer weißen Sauce, die nur mittelgradig lecker ist. Teilweise war das Stück trocken. Dazu wurde Obst gepackt, welches man auch selbst in jedem Supermarkt bekommt: Unser Tester vergab eine 4. Für 13,10 Euro die Portion ein stolzer Preis, dafür bekommt man in vielen Restaurants einen deutlich besseren Mittagstisch. Portionsgröße: Für den kleinen Hunger. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 70%.

Dienstag, zweiter Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Dienstag – Ebly-Weizen mit Erbsen, Mais und Karotten in einer angetrockneten Tomatensauce, Reissuppe und eingepackter Keks – kostet 13,10 Euro

Der Wochenauftakt war durchmischt, jetzt kann es ja nur noch besser werden? Leider nicht. Der Ebly-Weizen mit Erbsen, Mais und Karotten in einer angetrockneten Tomatensauce, Reissuppe und eingepackter Keks – eine kulinarische Herausforderung! Die Reissuppe: Widerlich. Geschmacklich vergab unser Tester eine 6. Dieses Essen ist eine echte Unverschämtheit des Anbieters. Portionsgröße: Für den mittleren Hunger. Kostet: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 90%. Der Keks war O.K. 😉

Mittwoch, dritter Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Mittwoch – Spaghetti mit cremiger Sauce, Gemüsecremsuppe, kleiner Blattsalat und eingepackter Pudding – kostet 13,10 Euro

Nach zwei notgedrungenen Hungertagen wurden am Mittwoch Spaghetti mit einer cremiger Sauce, eine Gemüsecremesuppe, ein kleiner Blattsalat und ein eingepackter Pudding geliefert. Die Spaghetti waren in Ordnung, die Sauce dazu würzig – O.K. Wir sprechen hier aber nicht von Kategorien wie „lecker“. Die Suppe war erneut nahezu ungenießbar. Den reinen Blattsalat haben wir nach einem geschmacklichen Test auch nicht gegessen. Der mitgelieferte Pudding war ein Produkt, welches ohne Kühlschrank lagerbar ist. Wenn sie solche Produkte schon einmal gegessen haben, wissen sie wie sie schmecken: Wirklich schauderhaft. Unser Tester vergab die Note 3 für die Spaghetti, 5 für die Suppe und Salat und 6 für das Dessert. Portionsgröße: Für den mittleren Hunger. Kosten: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 30% (Suppe, Salat, Dessert).

Donnerstag, vierter Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Donnerstag – Falafel in einer Curry-Sauce mit Reis, Suppe und ein abgepacktes Apfelmus- Dessert – kostet 13,10 Euro

Nach Lektüre des Speiseplans hatten wir uns ehrlich gesagt auf den Donnerstag gefreut: Falafel ist doch eigentlich immer lecker! Aber: Die Köche des Menüservice haben das eigenartige Talent, auch solche Speisen sehr „speziell“ anzurichten, wenn man es diplomatisch ausdrücken möchte. Die Falafel waren trocken, der Reis O.K., die Curry-Sauce aber für die Geschmacksknospen unseres Testers wirklich nicht lecker. Über die Suppe sprechen wir besser (erneut) erst gar nicht. Das abgepackte „Fruchtdessert Apfel“ war faktisch abgepackter Apfelmus. Woh! Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben…

Wir wiederholen an dieser Stelle mal kurz die Werbung des Darmstädter Roten Kreuz von ihrer Menüservice-Homepage:“Unsere Menüs werden täglich frisch, schmackhaft, mit Zutaten von Höfen aus der Region, zubereitet. Ein Menü besteht aus einer Vorspeise, einem Hauptgericht und einem Dessert.“

Unser Tester vergab die Note 4 für die Hauptspeise, 6 für die Suppe und 5 für das Dessert. Portionsgröße: Für den mittleren Hunger. Kostet: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 75%.

Freitag, fünfter Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Freitag – Dampfnudel in „Vanille“sauce, Suppe, abgepackter Schoko-Pudding und Keks – kostet 13,10 Euro

Es ist Freitag, die Woche geht zu Ende. An diesem Tag erreicht unseren Tester eine Süßspeise: Dampfnudel in „Vanille“sauce. Es lebe die Tiefkühlkost! Zumindestens sieht die Dampfnudel schwer danach aus. Die Vanillesauce hat ebenfalls den Geschmack nach „10 Liter Eimer“. Über die Suppe sprechen wir wiederholt und erneut nicht: Kategorie nicht genießbar. Nachdem es am Mittwoch bereits die „Vanille“-Variante des „Pudding-Dessert“ (Aufschrift: „Ohne Kühlung haltbar!“) gegeben hat, folgt nun konsequent die „Schoko“-Variante. Cool! Gibt im Einkauf bestimmt Mengenrabatt. Außerdem gibt es den Keks vom Montag gleich nochmal. Sie merken schon: Hier hilft nur noch Zynismus…

Unser Tester vergab die Note 4 für die Hauptspeise, 6 für die Suppe und 6 für das abgepackte Dessert. Obwohl der Keks O.K. war. Portionsgröße: Für den mittleren Hunger. Kostet: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 50%.

Samstag, sechster Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Samstag – Gemisch aus Reis mit Erbsen, Mais, Karotten, viel Tomatensauce und (wahrscheinlich) Ebly-Weizen, dazu Joghurt-Zubereitung – kostet 13,10 Euro

Gleich vorweg: Das beste an diesem Samstag-Menü? Das keine Suppe dabei war! Wir atmen durch. Formell hat das Gericht irgendeinen Namen mit Mexiko, unser Tester hat es nach der kulinarisch traumatischen Woche verdrängt. Faktisch ist es eine Portion Reis mit Erbsen, Mais, Karotten, viel Tomatensauce und (wahrscheinlich) Ebly-Weizen. Hurra!

Aber Moment mal: Erinnert sie das nicht an ein anderes Gericht in dieser Woche? Alter Wein in neuen Schläuchen?

Es ist einfach ungeheuerlich, was hier geliefert wird. Dazu noch eine Joghurtzubereitung mit Erdbeergeschmack.

Unser Tester vergab die Noten 6 für die Hauptspeise und 5 für das Dessert. Kostet: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 98%.

Sonntag, siebter Tag:

Testessen des Menüservice Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt: Samstag – Gemisch aus Reis mit Erbsen, Mais, Karotten, viel Tomatensauce und (wahrscheinlich) Ebly-Weizen, dazu Joghurt-Zubereitung – kostet 13,10 Euro

Sonntag ist anscheinend Reste-Tag beim Menüservice des Deutschen Roten Kreuz Darmstadt. Zumindestens hat man optisch wie kulinarisch den Eindruck davon. Das wie auch immer gefertigte rechteckige Bratstück hat viele Zutaten aus der vorangegangenen Woche, die Sauce erinnert stark an eine (aufgepeppte) Variante der Sauce von Donnerstag. Insgesamt: Alles andere als ein leckeres Essen. Die Suppe scheint so, als sei auch sie durch eine Resteverwertung der Woche zuvor entstanden. Das abgepackte Mini-Fabrik-Kuchenstück setzt dem ganzen noch die Krone auf. Könnt Ihr selbst keinen Kuchen backen?

Unser Tester vergab die Note 6 für die Hauptspeise, 6 für die Suppe und 6 für das abgepackte Dessert. Kosten: 13,10 Euro. Wie viel davon wurde im Biomüll entsorgt? 98% (fast alles).

Unser Fazit:

Liebes Deutsches Rotes Kreuz Darmstadt, was ist denn bei Euch los? Unser einwöchiger Test Eures Menüservice ist so unterirdisch schlecht ausgefallen, dass man sich kaum eine negativeren Ausgang erdenken könnte. Gibt es bei Euch intern keine kritische Instanz, die zur angebotenen Qualität mal ein offenes Wort finden kann? Schmeckt Euch Euer eigenes Essen? Oder ist interne Kritik bei Euch aus strukturellen Gründen nicht möglich?

In unserem Test ist das Rote Kreuz mit 13,10 Euro pro Tag der teuerste Anbieter. Bisher dachten wir, dass das „auf hochwertigem Porzellan“ gelieferte Essen in Darmstadt das Premium-Angebot schlechthin sei. Keine Frage: Es ist eindeutig die umweltfreundlichste Variante von allen Anbietern. Aber unter den Kriterien Qualität des Essens, Preis-Leistungsverhältnis und Zeitpunkt der Lieferung ist es mit Abstand die schlechteste Wahl unter allen gesteteten Anbietern, das können wir schon jetzt vorab verraten.

In der Hoffnung auf Veränderung…

Aber unser Test geht weiter. Das nächste Mal geht es angeblich um das „Glück“ auf dem Teller. Marketing oder Vorhersehung? Wir sagen es euch…

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.