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Quartier: Gut besuchter „Talk am Kiosk“ zur Kommunalwahl am 15. März

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Als wir die Diskussionsrunde mit zehn Parteien und Wählergemeinschaften rund um unsere „Eure Agenda fürs Quartier“ zur Kommunalwahl planten, dachten wir noch an notwendige Zelte, Regenschirme, dicke Jacken und Handschuhe: Doch das Wetter verwöhnte uns am Donnerstag Nachmittag mit milden Temperaturen und manch einem Sonnenstrahl 🙂

Rund 70 Nachbarinnen und Nachbarn waren gekommen, um die Antworten zu den von uns ausgewählten drei „großen Themen“ im Quartier zu hören:

  1. Hausärztliche Versorgung im Quartier stärken / Den strukturellen Mangel angehen!
  2. Fahrpreise für Einzelfahrten mit Bus&Bahn in die City
  3. Günstige Räume für Veranstaltungen und Treffen im Quartier – Schulmensen nutzen?

Diese Kandidatinnen und Kandidaten waren unsere Gäste:

  1. Florian Kirchbuchner, CDU (und Quartierbewohner)
  2. Eva Bredow-Cordier, Bündnis 90/ Die Grünen (und Quartierbewohnerin)
  3. Rodan Zeybek, SPD (im Quartier aufgewachsen)
  4. Ann-Kathrin Bersch, Volt (und Quartierbewohnerin)
  5. Uli Franke, Die Linke (und Quartierbewohner)
  6. Wolfgang Uhrig, UFFBASSE (und Quartierbewohner)
  7. Harald Uhl, Freie Wähler (und Quartierbewohner)
  8. Leif Blum, FDP
  9. Detlef Rehfeld, WGD
  10. Mario Pingel, Darmstadt Gemeinsam

Wer es noch nicht gelesen hat: Das sind die 14 Teile von „Eure Agenda fürs Quartier“: https://www.postsiedlung.de/?s=agenda

Florian Kirchbuchner – CDU
Eva Bredow-Cordier – Bündnis 90 Die Grünen
Rodan Zeybek – SPD

Quartierarbeiter Bastian Ripper schilderte in seiner Moderation die Problematik, dass die Versorgungsquote an Hausärztinnen und Hausärzten im Quartier lediglich 50% betrage. Konkret bedeutet dies, dass nur 50 von 100 Menschen die Möglichkeit besitzen, ihre/n AllgemeinmedizinerIn in direkter Nähe ihres Wohnortes im Quartier zu haben. Dies sei nicht nur im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft ein größeres Problem. Der Verein „Zusammen in der Postsiedlung“ hat daher vor einigen Jahren die Schaffung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in der Heimstättensiedlung vorgeschlagen.

Die Politikerinnen und Politiker waren ohne Ausnahme der Ansicht, dass die gute ärztliche Versorgung im Quartier eines der zentralen Themen in der Stadt darstelle. Die derzeitigen Regierungsfraktionen CDU, Grüne und Volt verwiesen in ihren Beiträgen darauf, dass der Dialog mit der in dieser Frage zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eine Herausforderung sei und man daher schauen müsse was möglich und umsetzbar ist. Grundsätzlich sei man aber am Thema dran und werde sich hierzu weiter engagieren.

SPD, Die Linke, Uffbasse, WGD, Freie Wähler, Darmstadt Gemeinsam und die FDP finden die Idee eines Medizinischen Versorgungszentrum gut und würden dies gerne um die weiteren Mangelsparten Augen-, Haut- und Kinder- und Jugendmedizin ergänzen wollen. Ein Standort in der Heimstättensiedlung wäre naheliegend. Rodan Zeybek (SPD) betonte die Initiative der SPD, welche sich dieser Forderung bereits schon vor mehreren Jahren angeschlossen hatte und ein MVZ in der Heimstättensiedlung fordert. Wolfgang Uhrig (UFFBASSE) schilderte am persönlichen Beispiel, wie es ihm als zugezogener Quartierbewohner der Heimstättensiedlung nicht gelungen sei, dort einen Hausarzt mit Aufnahmekapazität zu finden. Harald Uhl (Freie Wähler) berichtete, dass er aus der Not einen Augenarzt in Frankfurt a.M. (!) nehmen musste, weil es ihm trotz intensiver Suche nicht gelungen sei einen Augenarzt-Termin in Darmstadt oder Umgebung zu erhalten. Mario Pingel (Darmstadt Gemeinsam) sagte „Wenn man etwas wirklich will, dann finden sich auch Wege der Umsetzung.“

QuartierbewohnerInnen mit kleinen Kindern schilderten im Nachgang der Diskussion ihre große Not, einen Kinderarzt in Darmstadt mit Aufnahmekapazität zu finden, hier scheint ebenfalls großer Bedarf zu bestehen.

Ann-Kathrin Bersch – Volt
Uli Franke – Die Linke
Wolfgang Uhrig – Uffbasse

Großer Konsens unter allen beteiligten PolitikerInnen bestand auch in der zweiten Fragerunde, bei der die mittlerweile prominenten Preise bei Einzelfahrscheine für Bus & Bahn im Mittelpunkt standen.

Quartierarbeiter Bastian Ripper schilderte den Umstand, dass eine Fahrt von der Haltestelle Bessunger Straße zum Luisenplatz (4 Stationen) mittlerweile 3,10 Euro koste. Hin- und Rückfahrt mit einem Tagesticket 6,- Euro. Ein Ehepaar zahlt somit 12,- Euro für eine Fahrt in die Innenstadt.

Alle PolitikerInnen betonten, dass sie diese Preisgestaltung des RMV für nicht angemessen finden. Florian Kirchbuchner (CDU) sagte:“3,10 Euro für eine Einzelfahrt ist zu teuer, ganz klar!“. Eva Bredow-Cordier (Bündnis 90/ Die Grünen) verwies auf gute Beispiele aus anderen Städten, bei denen auch Kurzstreckentickets möglich seien, dies gelte es nun auch für Darmstadt zu prüfen.

Uli Franke (Die Linke) brachte die Idee des Einzelfahrscheinverkaufs im 10er Block (wie in anderen Städten) ins Gespräch, die deutlich günstiger angeboten werden und man dann einfach beim Fahrtantritt abstempele. Zudem sei der Linken wichtig, dass es stets eine analoge Alternative zum Fahrscheinverkauf geben müsse und Menschen ohne Smartphone nicht zunehmend ausgegrenzt werden. Auch Leif Blum (FDP) mahnte eine Lösung an, bei der die Fahrt mit Bus & Bahn auch ohne den Besitz eines Deutschlandtickets noch attraktiv sein.

Harald Uhl – Freie Wähler
Leif Blum – FDP

Im dritten Fragekomplex an diesem Nachmittag drehte es sich um die Möglichkeit für Vereine und Gruppen, städtische Schulen oder Mensagebäude in den Abendstunden für Treffen kleinerer Gruppen zu nutzen. Im Quartier seien gerade mehrere solcher Gebäude neu errichtet worden, es sei doch merkwürdig wenn diese abseits der Schulzeiten alle leerstehen würden.

Ann-Kathrin Bersch (Volt), sagte, dass sie dies vorbehaltlos unterstütze und man sich eigentlich direkt an die Umsetzung machen könne. Die aktuelle Regierungskoaltion aus Grüne, Volt und CDU habe in der letzten Stadtverordnetenversammlung beschlossen, ein Kataster mit hierfür möglichen Räumen zu erstellen. Auch die anderen Parteien und Wählergruppen stimmten zu. Detlef Rehfeld (WGD) sagte, dass mit solchen Synergien investiertes Steuergeld einen noch viel größeren Nutzen erhalten würde.

Nach diesen Statements bleibt zu hoffen, dass sich in dieser Hinsicht schon bald etwas bewegt…

Detlef Rehfeld – WGD
Marion Pingel – Darmstadt Gemeinsam

Nach gut eineinhalbstündiger Diskussion beendete Quartierarbeiter Ripper die Diskussion mit dem Dank an alle Beteiligte für die sachliche und faire Diskussion. Man werden bereits in einem Jahr zu einer Folgeveranstaltung einladen, bei der alle Punkte von „Eure Agenda fürs Quartier“ im Mittelpunkt stehen werden. Motto: „Ein Jahr ist vergangen – was ist passiert?“

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.