Im Frühjahr 2026 sind Kommunalwahlen in Hessen. Alle Parteien haben ihre programmatischen Zielsetzungen vorbereitet. Da war es in den letzten Monaten für uns der richtige Zeitpunkt zu fragen: Welche Dinge im Quartier sind prima, mittelprächtig oder laufen überhaupt nicht gut? Was kann man im Quartier besser machen? Woran mangelt es? Gesucht waren Eure Fragen und Antworten für das Quartier.
Nachdem wir in fünf Teilen Eure Antworten und Impulse auf diesem Blog vorgestellt haben, kommt nun im dreizehnten Teil die achte Reaktion: Bündnis 90/ Die Grünen haben uns eine Antwort zugesendet.
Wir kommentieren die eingehenden Antworten der Parteien und Wählergemeinschaften erst einmal nicht und lassen sie für sich selbst stehen.
Wir sagen DANKE für die Antwort!
Die Antwort als PDF-Download:
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,
wir danken der Initiative Zusammen in der Postsiedlung e.V. herzlich für die intensive Beteiligung im Rahmen der Quartiersagenda 2026.
Die zahlreichen Rückmeldungen zeigen, wie groß das Engagement im Quartier ist – und wie wichtig den Menschen Lebensqualität, Mobilität und ein gutes Miteinander in der Postsiedlung sind.
Als Grüne Darmstadt teilen wir viele Ihrer Anliegen und treiben zentrale Themen – von sicherer und klimafreundlicher Mobilität über Barrierefreiheit bis hin zur Aufenthaltsqualität – bereits aktiv voran. Viele Ihrer Anregungen finden sich daher auch in unserem Kommunalwahlprogramm wieder.
Seit 15 Jahren gestalten wir Grünen die Politik in Darmstadt maßgeblich mit. Das zeigt sich konkret im Alltag der Menschen: in sicheren Wegen für Kinder, im sozialen Wohnungsbau, in lebendigen Quartieren, in einem verlässlichen Nahverkehr, im Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und auch in der Unterstützung von Gemeinwesen vor Ort. Gemeinsam mit unseren Koalitionspartner*innen haben wir Verantwortung übernommen – pragmatisch, lösungsorientiert und mit Blick auf das, was in den Stadtteilen und in der Gesamtstadt wirklich zählt. Dabei ist auch die enge Kooperation mit ehrenamtlich Engagierten von großer Bedeutung; Zusammen in der Postsiedlung e.V. ist vorbildlich.
Unsere Erfahrung und unsere Stärke wollen wir auch künftig einbringen: Mit klaren Zielen, offenen Ohren und dem Anspruch, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Denn gute Kommunalpolitik entsteht dort, wo politische Ziele und Miteinander zusammenkommen – und wo Entscheidungen das Leben der Menschen konkret besser machen.
Teil 1 – „Was ist richtig gut?“ (17.08.2025)
Wir freuen uns über die vielen positiven Rückmeldungen zu Themen, die auch für uns Grüne zentrale Schwerpunktthemen sind und an deren Umsetzung wir kontinuierlich arbeiten.
Sehr gut ausgebauter Nahverkehr mit Bus, Bahn und Zug
Eine gute Anbindung an den ÖPNV mit dichteren Takten, mehr Querverbindungen sowie einer einfachen und barrierefreien Nutzung ist Teil unserer Politik in den vergangenen Jahren und Bestandteil unseres Wahlprogramms für die kommende Kommunalwahl. Die Problematik der abgebauten Fahrkartenautomaten haben wir auf dem Schirm und arbeiten diesbezüglich an einer pragmatischen Lösung.
Dazu gehören auch Sharing-Angebote für Autos, Fahrräder und Lastenräder. Wir sehen sie als wichtigen Baustein einer nutzungs- und umweltfreundlichen Mobilität.
Nahversorgung in fußläufiger Entfernung
Kurze Wege sind ein Kernmerkmal einer lebenswerten Stadt (Stichwort: 15-Minuten-Stadt). Deshalb fördern wir auch künftig eine gute Versorgung im Quartier – mit Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kitas und Krippen sowie Naherholungs- und Freizeitangeboten.
Teil 2 – „Update: Was ist richtig gut?“ (25.08.2025)
Wir begrüßen die genannten Verbesserungen ausdrücklich – neue Querungshilfen, gepflegte Gebäude, neue Mensa-Projekte und Nachpflanzungen. Gleichzeitig sehen auch wir Verbesserungspotenziale bei der Dauer der Umsetzung einzelner Projekte.
Deshalb haben wir die Forderung nach beschleunigten Planungs- und Umsetzungsprozessen in unser Wahlprogramm aufgenommen. Insbesondere wollen wir kleine, aber wirksame Maßnahmen wie Zebrastreifen, Radstreifen und Bordsteinabsenkungen einfacher und schneller realisieren.
Teil 3 – „Was kann man im Quartier besser machen?“ (29.08.2025)
Wir teilen viele der angesprochenen alltagsnahen Anliegen.
Darmstadt gehört zu den heißesten und trockensten Städten Deutschlands. Die sich zuspitzende Klimakrise muss daher bei allen Fragen der Stadtentwicklung maßgeblich berücksichtigt werden. Der Erhalt eines lebenswerten Stadtklimas für die Bürger*innen hat höchste Priorität und ist eines der zentralen Zukunftsthemen.
Bushaltestellen – Überdachung
Wir unterstützen eine Haltestellengestaltung, die nicht nur sicher und barrierefrei ist, sondern auch Schutz vor Hitze und Niederschlag bietet. Eine entsprechende Anfrage wurde unabhängig von dieser Beantwortung bereits an das zuständige Dezernat geschickt.
Brunnen im Ingelheimer Park wieder in Betrieb nehmen
Grünflächen, Parks und Spielplätze sind Lebensqualität und Klimaschutz zugleich. Sie kühlen an heißen Sommertagen und bieten Erholung für alle Generationen. Wir schaffen Hitzeschutzinseln, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen, und wollen die Liste der „Kühlen Orte“ weiter ausbauen.
Dabei setzen wir Grüne uns für die Stärkung der grün-blauen Infrastruktur in Darmstadt ein: Mehr Wasser in der Stadt kühlt, wertet Grünanlagen auf und kann – gut geplant – auch ein attraktiver Spielort für Kinder sein.
Die Wiederinbetriebnahme des Brunnens im Ingelheimer Park ist auch ein Anliegen unserer hauptamtlichen Dezernent*innen. Die Betreuung der städtischen Brunnen liegt jedoch bei der IDA.
Sitzbänke auf dem Forstmeisterplatz erneuern
Straßen und Plätze gehören den Menschen – und sollten entsprechend gestaltet sein: weg von grauen Abstellflächen, hin zu lebendigen Orten des Miteinanders, die zum Verweilen und miteinander in Kontakt kommen einladen.
Die Sitzbänke auf dem Forstmeisterplatz fallen in die Zuständigkeit des Mobilitäts- und Tiefbauamts (Dezernat VI) – wir werden dieses Anliegen jedoch mit Priorität kommunizieren.
Zustand der öffentlichen Toiletten an der Orangerie
Tatsächlich müssen öffentliche Toiletten in einem ansprechenden und gut nutzbaren Zustand sein. Dazu gehören einerseits die kontinuierliche Pflege und Reinigung, aber auch das Verantwortungsbewusstsein der Nutzer*innen, pfleglich damit umzugehen. Leider ist immer wieder Vandalismus festzustellen. Die zuständige Stelle bei IDA tut hier ihr Bestes.
Zustand der Heinrich-Knieß-Anlage
Grünflächen und Parks müssen praktisch gepflegt werden – mit Pflanzen, Gießen, Pflege und Schatten. Das erfordert ausreichend Personal. Die Klimakrise hat den Pflegeaufwand deutlich erhöht und neue Aufgaben geschaffen, für die die Stadtverwaltung derzeit (noch) nicht ausreichend ausgestattet ist.
Wir Grünen setzen uns deshalb für ein Beschäftigungs- und Investitionsprogramm zur Klimaresilienz ein. Herzstück ist eine deutliche Personalaufstockung im gärtnerischen und handwerklichen Bereich des Grünflächenamts.
Wir nehmen die Heinrich-Knieß-Anlage gern mit höherer Priorität in die Liste mit bürgerschaftlicher Wünsche auf.
Fehlende Bordsteinabsenkungen
Ob Schulkind oder Senior*in – alle Darmstädter*innen sind regelmäßig zu Fuß unterwegs. Rund ein Drittel aller Wege wird so zurückgelegt. Dafür braucht es sichere, barrierefreie und gut ausgebaute Gehwege, die frei von Hindernissen sind und eine bequeme Nutzung ermöglichen.
In den kommenden fünf Jahren legen wir den Schwerpunkt auf freie und sanierte Gehwege für alle Generationen. Die entsprechenden Regelungen sind seit Jahrzehnten in der Straßenverkehrsordnung verankert, werden jedoch vielerorts nicht konsequent umgesetzt. Die Bordsteinabsenkung vor dem Quartiersladen werden wir schnell und forciert aufnehmen.
Teil 4 – „Woran mangelt es?“ (05.09.2025)
Sie sprechen hier wichtige strukturelle Fragen an.
Hausärztliche Versorgung im Quartier
Die Versorgung mit Hausärzt*innen ist ein wichtiges und gesellschaftlich hoch priorisiertes Thema. Dies gilt grundsätzlich für die ärztliche Versorgung im Stadtgebiet, auch für Kinderärztinnen oder psychotherapeutische, ambulante psychiatrische Versorgung. In vielen Gespräch mit und in Resolutionen an die Kassenärztliche Vereinigung haben wir bereits auf die Versorgungslücken hingewiesen. Gemeinsam mit dem zuständigen Gesundheitsdezernenten und der Sozialdezernentin wurde zumindest in Eberstadt ein Sitz vergeben. Die aktuellen statistischen Erhebungen stimmen mit den Realitäten nicht überein und es bedarf weiterer Bemühungen, hier tatsächliche Erfolge in Form von Kassensitzen zu erreichen. Um die Rahmenbedingungen für die Ansiedelung von Arztpraxen zu unterstützen, stehen wir jederzeit für Gespräch bereit, z. B. bei der Planung von Praxen in Neubauten oder Umbauten von Liegenschaften usw.
Konsequente Bekämpfung von illegalen Schmierereien und wildem Sperrmüll
Wir sind derselben Meinung, dass illegale Schmierereien und wilder Sperrmüll im Stadtgebiet nichts zu suchen haben. Dafür gibt es legale Flächen für Graffitikunst und kostenloses Abholen von Sperrmüll. Deshalb muss konsequent gegen Schmierereien und wilden Sperrmüll vorgegangen werden. Der kommunale Eigenbetrieb EAD ist nicht nur sensibilisiert, sondern hat auch eine schnelle Eingreiftruppe, um vor Ort aktiv zu werden. Aber auch private Gebäudeeigentümer:innen sind gefragt, schnell dagegen vorzugehen.
Unser Grüner Dezernent Michael Kolmer hat mit seinen jüngsten Aktionen gegen Farbschmierereien große Aufmerksamkeit erzielt. Diese Initiative versteht sich als Auftakt, um gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern konkret anzupacken, Veränderungen sichtbar zu machen und weitere Impulse im Stadtbild zu setzen. In nächster Zeit wird dazu noch mehr zu hören sein.
Klare politische Haltung gegenüber unseriösem Geschäftsgebaren von VONOVIA
Es ist völlig richtig, dass wir bei unseriösem Geschäftsgebaren politische Haltung zeigen müssen. Aktuell können sich Mieter*innen, die Fragen und Beschwerden zu Falschberechnungen von Mieten oder Wohnungsgrößen haben, an das Amt für Wohnungswesen wenden. Dort wird nicht nur die Mietspiegelberechnung vorgenommen, sondern auch Beratung bei Mietpreisüberhöhung und Wohnungsüberwachung. Gemeldeten Fällen wird sofort nachgegangen. Das gilt auch für Fälle von Verdacht auf Mietwucher. Wir haben als Grüne durch Aufsichtsratsmandate Einfluss auf die kommunale Wohnungsbaugesellschaft. Diesen Einfluss nutzen wir nicht nur hinsichtlich der Schaffung von gefördertem Wohnraum, sondern auch, wenn Problemfälle auftreten. Aber auch an andere Wohnungsbaugesellschaften treten wir regelmäßig heran, um Probleme zu thematisieren und Lösungen zu fordern. Hier scheuen wir die Konfrontation nicht.
Verkehrssicherheit an Querungsstellen
Ein Großteil der schweren Unfälle ereignet sich an Kreuzungen. Deshalb hat deren sichere Gestaltung für uns Grüne höchste Priorität.
Barrierefreiheit bleibt dabei zentral: Abgesenkte Bordsteine an Kreuzungen müssen schneller und flächendeckend umgesetzt werden. Zudem wollen wir Fußgängerquerungen sichtbarer machen, etwa durch eine umfassende Zebrastreifen-Offensive.
Tempo 30 in Wohnquartieren
Wir Grünen wollen eine Stadt, in der der verbleibende Autoverkehr so leise, sicher und sauber wie möglich ist. Unser Ziel: weniger Lärm, weniger Schadstoffe und keine schweren Unfälle.
Überall dort, wo Menschen an Straßen wohnen, setzen wir auf Tempo 30. Ergänzend wollen wir mit Einbahnstraßen, Modalfiltern und Diagonalsperren den Durchgangsverkehr auf Hauptstraßen verlagern und Quartiere entlasten. Wir fordern regemäßig Verkehrskontrollen an, wenn Tempo 30 offensichtlich nicht eingehalten wird und bemühen uns kontinuierlich um eine Ahndung des Gehwegparkens.
Leerstand der Geschäfte in der Klausenburger Straße / Abriss und Neubau
Die Leerstände werden derzeit abgerissen und einer neuen Bebauung zugeführt. Die Buchlandheim GmbH plant dort den Bau von geförderten Wohnungen.
ÖPNV-Fahrpreise
Uns ist wichtig, den Vorverkauf von Papierfahrkarten über Kioske und andere nachbarschaftliche Geschäfte auszubauen und stadtweit sicherzustellen (siehe oben zum Abbau Fahrkartenautomaten).
Zentral bleibt das Deutschlandticket: Der Bund muss die Finanzierung dauerhaft sichern und das Ticket bezahlbar halten. Statt in technisch aufwendige Lösungen wie BeIn/BeOut zu investieren, fordern wir den RMV auf, Mittel in ein einfaches und verständliches Tarifsystem zu lenken.
Wir Grünen setzen uns ein für
– den Ticketvorverkauf über Kioske und kleine Geschäfte,
– ein klar strukturiertes, vereinfachtes Tarifsystem.
Teil 5 – „Wünsche und Visionen“ (03.10.2025)
Viele der Visionen spiegeln genau das wider, was uns antreibt: Lebensqualität im Quartier.
Wasserspielplatz und grüne Freiräume
Entsiegelung ist ein Schlüssel für mehr Klimaresilienz. Weniger versiegelte Flächen bedeuten weniger Hitzeinseln, mehr Grün und eine bessere Regenwasserversickerung. Ein gutes Beispiel ist die Umwandlung einer ungenutzten Fahrbahn auf der Lichtwiese durch die TU Darmstadt.
Wir Grünen setzen uns ein für
– die Entsiegelung von Flächen, etwa auf Schulhöfen, öffentlichen Plätzen und nicht mehr benötigten Straßen,
– die Stärkung der grün-blauen Infrastruktur,
– den Ausbau von Wasserspielplätzen und Trinkbrunnen,
– die Prüfung einfacher Sprühnebelanlagen nach Vorbildern wie dem Wiener „Sommerspritzer“,
– die Aufwertung und das Erlebbar-Machen von Bächen in Quartieren und Stadtteilen.
Den Wunsch nach einem Wasserspielplatz nehmen wir gern in die Liste bürgerschaftlicher Wünsche auf.
Faire Verteilung städtischer Ressourcen, Markttage, Begegnungsräume
Diese Anliegen stärken die soziale Teilhabe.
Ein Markttag am Straubplatz müsste hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Tragfähigkeit geprüft werden – es müssen ausreichend Beschicker gefunden werden.
Wichtig ist, den Wunsch nach einem Spielpunkt auf dem Straubplatz mit der Idee einer Marktfläche in Einklang zu bringen. Der Spielpunkt wurde aus der Heimstätte formuliert und wird im Grünflächenamt bereits berücksichtigt.
Auch freuen wir Grüne uns sehr, dass die Menschen in der Heimstätte die Staudenpflanzungen auf dem Platz ins Herz geschlossen haben.
Günstige Räume für Veranstaltungen und Treffen
Bei Zwischen- oder Umnutzungen sind Fragen der Sanierungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit mitzudenken. Wo realistische Nutzungsmöglichkeiten bestehen, können Engagierte in der Postsiedlung auf grüne Unterstützung zählen. In die Stadtverordnetenversammlung am 19.02.2026 bringt die Koalition einen Antrag ein, der die Zwischennutzungen von Leerständen erleichtern soll.
Fazit
Die Beiträge der Initiative Zusammen in der Postsiedlung e.V. zeigen, dass Bürger*innen sehr genau wissen, wo Fortschritt nötig ist. Viele Ihrer Themen sind bereits Kernpunkte unserer grünen Politik bzw. sind so konkret und fundiert formuliert, dass wir sie sehr gerne aufnehmen.
Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und sehen die Quartiersagenda als wertvollen Beitrag zur gemeinsamen Stadtentwicklung und als wichtigen sozialpolitische Impuls. Für Punkte, die noch offen sind, suchen wir aktiv den Austausch mit unseren Fachsprecher*innen – insbesondere für Wohnen, Soziales und Gesundheit, damit gute Ideen aus dem Quartier in die politische Arbeit einfließen können.
Wir freuen uns auf den weiteren Dialog mit Ihnen und allen Engagierten in der Postsiedlung.
BÜNDNIS 90D/DIE GRÜNEN Darmstadt
Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.
