Im Frühjahr 2026 sind Kommunalwahlen in Hessen. Alle Parteien haben ihre programmatischen Zielsetzungen vorbereitet. Da war es in den letzten Monaten für uns der richtige Zeitpunkt zu fragen: Welche Dinge im Quartier sind prima, mittelprächtig oder laufen überhaupt nicht gut? Was kann man im Quartier besser machen? Woran mangelt es? Gesucht waren Eure Fragen und Antworten für das Quartier.
Nachdem wir in fünf Teilen Eure Antworten und Impulse auf diesem Blog vorgestellt haben, kommt nun im achten Teil die dritte Reaktion: Falk Neumann von den WGD Darmstadt hat uns eine längere Antwort zugesendet.
Wir kommentieren die eingehenden Antworten der Parteien und Wählergemeinschaften erst einmal nicht und lassen sie für sich selbst stehen.
Wir sagen DANKE für die Antwort!
Rückmeldung der WGD-Darmstadt.de zu den Anliegen aus der Postsiedlung – Teil I
Liebe Engagierte der Postsiedlung,
vielen Dank für die umfangreiche Sammlung an Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Die darin benannten Alltagsprobleme sind wichtig, konkret und vielfach lösungsnah. Als WGD – Wählergemeinschaft Darmstadt – teilen wir ausdrücklich den Ansatz, Veränderungen dort zu unterstützen, wo sie unmittelbar die Lebensqualität im Quartier verbessern und das Miteinander stärken.
Im Folgenden nehmen wir zu den angesprochenen Punkten Stellung:
1. Fehlende Überdachung an der Bushaltestelle Hannah-Arendt-Weg / Netto
→ Unterstützen wir voll.
Eine Überdachung an stark frequentierten Haltestellen, besonders dort, wo ältere Menschen einkaufen und kurze Wege auf den Bus angewiesen sind, ist aus unserer Sicht ein niedrigschwelliger, sofort wirksamer Beitrag zu Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität.
Wir würden uns dafür einsetzen, dass die Stadt mit HEAG mobilo eine Realisierung prüft.
2. Brunnen im Ingelheimer Park wieder in Betrieb nehmen
→ Unterstützen wir grundsätzlich.
Der Ingelheimer Park benötigt dringend funktionale, kühlende und attraktive Elemente – gerade in stark verdichteten Gebieten. Ein funktionsfähiger Brunnen stärkt Aufenthaltsqualität für Kinder, Familien und Ältere.
Wir sehen hier eine Aufgabe im Rahmen des Hitzeschutz- und Stadtgrünkonzepts.
Prüfpunkt: Kosten, Wasserverbrauch, laufende Pflege – diese müssen transparent bewertet werden.
3. Sitzbänke auf dem Forstmeisterplatz erneuern
→ Unterstützen wir klar.
Der Platz lebt von Begegnung und Aufenthaltsqualität. Verbessertes Mobiliar ist eine kostengünstige, schnell umsetzbare Maßnahme, die das Quartier sofort aufwertet.
4. Zustand der öffentlichen Toiletten an der Orangerie
→ Unterstützen wir – suchen aber realistische Lösungen.
Der Zustand ist bekannt. Komplett-Sanierungen scheitern oft an Vandalismus-Risiken und hohen Unterhaltskosten.
Die Idee einer Kooperationslösung mit Café Linie 3 oder anderen Anbietern halten wir für prüfenswert und pragmatisch.
Wir würden uns dafür einsetzen, dass die Stadt solche Betreiber-Modelle testet.
5. Heinrich-Knieß-Anlage – trostloser Zustand
→ Unterstützen wir teilweise.
Die Kritik am Zustand ist nachvollziehbar. Eine Aufwertung des Areals – oder eine sinnvollere Würdigung an anderer Stelle – halten wir für berechtigt.
Prüfpunkt:
Komplettes Entfernen des Mobiliars sehen wir kritisch, solange keine alternative Nutzung oder Gestaltung vorgesehen ist. Ziel sollte ein attraktiver Grünraum bleiben – nicht dessen Rückbau.
6. Bordstein am Quartierladen / Binger Straße absenken
→ Unterstützen wir sehr deutlich.
Barrierefreiheit ist keine Option, sondern eine Pflichtaufgabe. Dass ein Anliegen, das im Bürgerhaushalt Platz 1 erreichte, seit Jahren unbearbeitet bleibt, halten wir für falsch.
Wir würden uns für eine Priorisierung im Rahmen des städtischen Mobilitäts- und Teilhabeplans einsetzen.
Unsere Gesamteinschätzung
Die aufgeführten Punkte zeigen klar:
➡️ Es geht nicht um große Prestigeprojekte, sondern um konkrete Verbesserungen, die den Alltag für viele Menschen erleichtern.
➡️ Viele Maßnahmen sind mit überschaubarem Aufwand realisierbar – wenn sie organisatorisch priorisiert werden.
➡️ Wir teilen das Ziel, die Lebensqualität im Quartier zu erhöhen, Barrieren abzubauen und Orte der Begegnung zu stärken.
Rückmeldung der WGD-Darmstadt.de zu den Anliegen im Quartier – „Woran mangelt es?“ – Teil II
Liebe Engagierte der Postsiedlung,
vielen Dank für die erneute, sehr fundierte Sammlung größerer struktureller Themen im Quartier. Die aufgeführten Punkte betreffen zentrale Aufgaben der kommunalen Politik und bestätigen viele Problemlagen, die uns aus anderen Teilen der Stadt ebenfalls bekannt sind. Gerne nehmen wir wie folgt Stellung:
1. Hausärztliche Versorgung im Quartier stärken / struktureller Mangel
→ Unterstützen wir ausdrücklich und sehen dringenden Handlungsbedarf.
Die Unterversorgung in Darmstadt-West – nur rund 50 % Deckung – ist aus unserer Sicht nicht mehr akzeptabel. Eine funktionierende Primärversorgung ist Grundlage für ein gesundes Quartier, insbesondere für Ältere, für Menschen ohne Auto oder für Alleinlebende.
Was wir unterstützen:
- Prüfung und Förderung eines MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) in der Heimstättensiedlung
- gezielte Ansiedlungsstrategien: städtische Räumlichkeiten, Förderprogramme, Kooperationen mit Kliniken
- bessere Rahmenbedingungen für Hausbesuche (politischer Druck Richtung KV und Land)
WGD-Position:
Wir möchten die wohnortnahe Versorgung stärken und sehen es als kommunale Pflicht, hier aktiver zu werden – auch gegenüber Land und Kassenärztlicher Vereinigung.
2. Bekämpfung von Schmierereien & wildem Sperrmüll
→ Unterstützen wir grundsätzlich – aber mit klaren Forderungen nach praktikableren Abläufen.
Die Kritik an langen Standzeiten von Sperrmüll und unzureichender Pflege von städtischem Eigentum (Trafohäuschen, öffentliche Anlagen, Garagenhöfe) ist nachvollziehbar. Ebenso der Unmut über ausbleibende Reaktionen trotz hoher Präsenz des EAD im Quartier.
WGD-Position:
- Wir setzen uns für unbürokratischere Melde- und Abholprozesse ein (z. B. Sofortmitnahme kleiner Sperrmüllmengen bei Sichtkontrolle).
- Regelmäßige graffiti-freie Zonen nach Vorbild Bauverein AG.
- Jahresvereinbarung „Sauberes Quartier“ zwischen Stadt, E-Netz, EAD und Quartiersvereinen.
Wichtig:
Ordentliche Stadtbilder sind kein Luxus, sondern Teil einer funktionierenden öffentlichen Ordnung und Sicherheit.
3. Haltung gegenüber VONOVIA
→ Unterstützen wir sehr deutlich und fordern eine klare Positionierung.
Der geschilderte Problemkatalog – schlechter Zustand, falsche Abrechnungen, Intransparenz – ist bundesweit Realität. Darmstadt braucht den Mut, sich als Stadt klarer zu positionieren.
WGD-Position:
- Wir würden eine deutliche kommunalpolitische Haltung gegenüber VONOVIA unterstützen.
- Einrichtung einer städtischen Schlichtungsstelle für Mietfragen (unabhängig von Eigentümern).
- Regelmäßige öffentliche Berichte zu Beschwerden & Prüfungen.
Die kommunale Politik sollte sich sichtbar vor die Mieterschaft stellen – das erwarten wir von einer verantwortungsvollen Stadt.
4. Sichere Querung Moltkestraße / Bessunger Straße
→ Unterstützen wir klar – hier besteht akuter Handlungsbedarf.
Die beschriebenen Sichtprobleme und Verkehrsströme machen die Querung gefährlich, gerade für Kinder & Ältere.
WGD-Unterstützung:
- Prüfung einer Querungshilfe (Mittelinsel, Aufpflasterung, Verschwenkung)
- Geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen
- kurzfristige Beschilderung oder Markierungen
Dass das Thema seit 5 Jahren ungelöst ist, halten wir für nicht akzeptabel.
5. Tempo 30 ausweiten und konsequenter kontrollieren
→ Unterstützen wir, aber differenziert.
In Wohngebieten ist Tempo 30 sinnvoll – zur Lärmreduktion, Sicherheit, Lebensqualität.
Doch der Wunsch nach flächendeckender Einführung an großen Durchgangsstraßen muss stets mit Verkehrsfunktionen abgewogen werden.
WGD-Position:
- Ausweitung in Nebengebieten und sensiblen Zonen: Schulen, Kitas, Seniorenrouten
- Schärfere Kontrollen dort, wo Tempo 30 bereits gilt (Haardtring, Moltkestraße, Oppenheimer Straße)
- Prüfung „Tempo 30 nachts“ auf stark belasteten Straßen
Der Einsatz gegen nächtliche Raserei am Haardtring ist für uns besonders wichtig.
6. Leerstand in der Klausenburger Straße / Abriss & Neubau
→ Unterstützen wir – Stadt sollte stärker moderieren und den Prozess beschleunigen.
Langjährige Leerstände wirken verwahrlosend, bremsen Nahversorgung und schwächen das Quartier.
WGD-Position:
- Gesprächsoffensive mit Eigentümern
- Prüfung von Zwischennutzungen
- Aufklärung über geplante Abriss- oder Neubauprozesse
- Falls nötig: städtische Bodenpolitik, Ankauf oder Partnerschaften
Transparenz gegenüber der Bevölkerung ist hier zentral.
7. Fahrpreise für Einzelfahrten Bus & Bahn
→ Unterstützen wir – denn Mobilität muss für Wenig-Nutzer bezahlbar bleiben.
Viele Menschen nutzen ÖPNV nicht täglich – ihnen helfen Monatsabos wie das Deutschlandticket wenig. Die Kritik an steigenden Einzelpreisen ist berechtigt.
WGD-Position:
- Wiedereinführung Kurzstrecken-Ticket (bis 3–5 Haltestellen)
- sozialverträgliche Preisgestaltung für Wenigfahrer
- Anreizmodelle für spontane Nutzung (z. B. City-Ticket light)
- bessere Taktung, damit Preis-Leistung stimmt
Wenn wir ÖPNV fördern wollen, müssen Gelegenheitsfahrer mitgedacht werden.
Gesamteinschätzung
Die angesprochenen Themen sind zentral für ein lebenswertes, funktionierendes Quartier:
Hausarztmangel, Sicherheit, Sauberkeit, Mobilität, fairer Umgang mit Mietern, lebenswerte öffentliche Räume.
Die WGD-Darmstadt.de unterstützt viele der genannten Punkte ausdrücklich und sieht die Notwendigkeit, hier strukturell und mutig anzusetzen.
Mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Postsiedlung und der Nachbarschaftsarbeit wollen wir weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten – die Impulse aus dem Quartier sind wichtig und wertvoll.
Antwort der WGD Darmstadt – Wünsche & Visionen der Postsiedlung zur Kommunalwahl 2026 – Teil III
Liebe Engagierte und Nachbarinnen und Nachbarn in der Postsiedlung, herzlichen Dank für die große Mühe, mit der Ihr im Rahmen Eurer fünfteiligen Serie die Bedarfe, Wünsche und Visionen für Darmstadt-West und Alt-Bessungen gesammelt und strukturiert habt. Die WGD versteht diese Impulse als wertvollen Beitrag für ein realistisches, bürgernahes Kommunalprogramm. Gerne nehmen wir zu den von Euch formulierten Zukunftsthemen Stellung:
1. Ein Wasserspielplatz für Darmstadt-West
Die WGD teilt die Einschätzung, dass hitzerobuste Aufenthaltsorte für Kinder und Familien dringend notwendig sind.
Wir unterstützen ausdrücklich die Idee, einen geeigneten Standort für einen Wasserspielplatz im Westen zu prüfen – u.a. in der Klausenburger Straße / Am Burgwald oder alternativen Flächen.
Dabei sind uns zwei Punkte wichtig:
- langfristige Finanzierung (Bau + laufende Unterhaltung),
- Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Umweltaspekte (Wasserverbrauch, Schattenplätze, Barrierefreiheit).
Ein realistischer, fairer Ressourcenausgleich gegenüber neuen Stadtteilen wie Lincoln oder dem Ludwigshöhviertel ist uns ein Grundanliegen.
2. Ein Markttag am Straubplatz
Die Anregung eines wöchentlichen oder zweiwöchigen Markttages finden wir sehr unterstützenswert.
Ob ein solcher Markt wirtschaftlich tragfähig ist, muss geprüft werden. Die WGD schlägt daher folgendes Vorgehen vor:
- Gespräche mit potenziellen Standbetreibern,
- ein Pilotversuch für 3–6 Monate,
- danach Auswertung gemeinsam mit Seiten aus dem Quartier.
Wir halten einen Versuch für sinnvoll – selbst kleine, niedrigschwellige Angebote stärken Nachbarschaft und Begegnung.
3. Günstige, unkompliziert nutzbare Räume für Vereine, Initiativen und Gruppen
Der Bedarf an bezahlbaren und barrierefreien Räumen ist uns seit Jahren bekannt. Die WGD unterstützt:
- eine Prüfung, ob einzelne Pavillons oder Räume der Schulen (z.B. Wilhelm-Leuschner-Schule, Heinrich-Heine-Schule) in Randzeiten zugänglich gemacht werden können,
- vereinfachte Buchungsverfahren sowie
- eine faire Preisgestaltung, damit auch kleine Initiativen oder Vereine nicht ausgeschlossen werden.
Die Idee, dass Zusammen in der Postsiedlung e.V. als lokale Anlaufstelle für Schlüssel- oder Belegungskoordination fungieren könnte, finden wir pragmatisch und prüfen dies gerne.
4. Ressourcen des Staates besser nutzen – ernsthafte Diskussion erwünscht
Euer Hinweis, staatliche Ressourcen effizienter und unbürokratischer zu nutzen, trifft ein Kernanliegen der WGD. Wir stehen für:
- Verwaltungsvereinfachung,
- doppelte Strukturen abbauen,
- Flächen und Gebäude intelligenter gemeinschaftlich nutzen.
Hier sehen wir großes Potenzial für eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern des Quartiers, der Schulen, der Verwaltung und der Politik.
Abschließender Dank
Wir danken Euch sehr für Euren strukturierten Beitrag, der zeigt, wie lebendig, kritisch und engagiert das Quartier ist. Die WGD wird Eure Impulse in ihr Kommunalwahlprogramm einarbeiten und steht jederzeit für direkte Gespräche zur Verfügung.
Für Darmstadt-West, Alt-Bessungen und die gesamte Stadt gilt:
Wir machen Kommunalpolitik nicht von oben – sondern mit den Menschen, die vor Ort leben.
Mit herzlichen Grüßen
Wählergemeinschaft Darmstadt – WGD
Falk & Team
