Wir haben auf diesem Blog mehrfach von unserem Nachbarn Mimo berichtet, der sich nach einem vor Jahren erlittenenen schweren Herzinfarkt Schritt für Schritt zurück ins Leben kämpft. Damit er seine Wohnung verlassen und am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen kann, haben wir vor über zwei Jahren bei seiner Krankenkasse AOK einen sogenannten Elektro-Caddy beantragt. Damit begann ein bürokratischer Hürdenlauf, den wir in mehreren Beiträgen auf diesem Blog schon erzählt haben. Weiter unten finden sie alle Beiträge.
Obwohl wir bereits im Spätsommer die Kostenzusage der AOK erkämpft hatten, ging der Hürdenlauf munter weiter. Die Kostenzusage der AOK gegenüber dem ausführenden Sanitätshaus wurde nämlich für ein spezielles Modell eines Elektro-Caddy erteilt. Wir dachten uns natürlich nichts dabei. Bis Mimo ein Brief des Sanitätshauses erreichte, in welchem ihm mitgeteilt wurde, dass dieses Modell nicht mehr hergestellt würde. Da die Kostenzusage an dieses Modell gebunden sei, dürfe das Sanitätshaus kein anderes Modell aushändigen.
Also: Wir mussten uns wieder schriftlich an die AOK wenden und dieser XXL-Krankenkasse – die das eigentlich wissen könnte – mitteilen, dass das genehmigte Modell nicht mehr lieferbar sei. Die AOK antwortete. Und erneut mit einer vollen Prise Schikane: Man habe in der Akte nunmehr festgestellt, dass die ärztliche Verordnung für den Elektro-Caddy nicht mehr aktuell sei. Daher benötige man für eine Bewilligung des Caddy nun eine neue ärztliche Verordnung.
Fassen wir das mal in klaren Worten zusammen: Da stellt die AOK einem ihrer Versicherten, der ganz klar einen Anspruch auf einen (geliehenen, das ist ja kein Geschenk!) Elektro-Caddy hat, eine bürokratische Hürde nach der anderen auf (siehe Artikel unten). Am Ende muss sie dann, weil wir von der Quartierarbeit solidarisch an Mimo´s Seite geblieben sind und gekämpft haben, den Caddy bewilligen. Die AOK bewilligt dann ein Auslaufmodell, welches nicht mehr lieferbar ist. Dieser ganze Vorgang frisst viel Zeit – Wochen und Monate. Als wir dann darauf aufmerksam machen, dass es das bewilligte Modell des Caddy nicht mehr gibt, folgt die nächste Schikane. Nach dem Motto „Weisen sie doch erst mal nach, ob es den Bedarf überhaupt noch gibt!“, setzt die AOK die Kirsche auf die Sahnetorte im Gesicht von Mimo. Die AOK verschleppt den Antrag über Jahre und macht dann die eigene Verschleppung zum Problem des Versicherten, von Mimo.

Doch nicht mit uns. Wir nehmen umgehend Kontakt zu Mimo´s Ärzten auf. Die wundern sich, dass Mimo seinen Caddy nicht schon längst hat. Und stellen – leider haben wir auch in der Postsiedlung keine Wunderheilung – natürlich das Attest wieder aus. Weil der Bedarf unverändert fortbesteht. Somit können wir erneut einen schriflichen Antrag bei der AOK stellen, mit dem Attest als Beilage.
Am Ende wird alles gut, sonst ist es noch nicht das Ende, sagt ein Sprichwort. Auch bei Mimo. Seit knapp über einer Woche hat er nun seinen Caddy. Und wurde schon öfters durch die Postsiedlung düsend beobachtet. Wir sind ja froh, dass das Ding eine Tempodrosselung hat, der italienische Fahrstil ist… Na ja 😉
DANKE an Mimo, Sven, Manu und Bastian für unermüdliches Dranbleiben! Gemeinsam haben wir das geschafft!
Wahr ist aber leider auch: Mimo ist nicht unser einziger Fall, dem von Seiten der Krankenkasse bei berechtigten Anliegen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. In mehreren weiteren Auseinandersetzungen kämpfen wir für die Rechte unserer kranken Nachbarinnen und Nachbarn. Taten statt Warten!
Die ganze Geschichte von Mimo und seinem Caddy:
Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.
