In unserer bisher zehnjährigen Quartiersarbeit in Darmstadt-West und Alt-Bessungen haben wir immer wieder festgestellen müssen, dass (nicht nur) alleinlebende ältere und hochbetagte Seniorinnen und Senioren in nicht wenigen Fällen medizinisch stark unterversorgt sind.
Dies liegt häufig an mehreren Faktoren, die einzeln oder summiert auftreten: Stark eingeschränkte Mobilität, Weigerung von Hausärzten Hausbesuche bei den Betroffenen zu machen, Unwissen über vorhandene sozialstaatliche Leistungen, Ängste vor medizinischer Behandlung, falsche Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands etc.
In gleich mehreren Fällen, die Aktive von uns auch persönlich bewegten, mussten wir erleben, wie Menschen aufgrund von Erkrankungen verstorben sind, an denen man normalerweise nicht ursächlich verstirbt. Die konsequente Nichtinanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen, beispielsweise bei der Hautkrebsvorsorge, dem Urologen oder der Frauenärztin, kann aber über die Jahre zur Entwicklung von Erkrankungen führen, an deren Ende ein häufig trauriges Ergebnis steht.
Doch auch außerhalb von solchen existenziellen Erkrankungen befinden sich häufig alleinlebende Menschen in einer gesundheitlich einschränkenden Situation, welche vielfach im guten Dialog mit einer vertrauten Fachkraft deutlich verbessert werden kann.
Hier möchten wir im neuen Projekt mit einem Team von Ehrenamtlichen und einer erfahrenen Krankenschwester Schritte zu einer Verbesserung unternehmen. Und gehen hierbei im konkreten Leistungsgeschehen weit über das bisher bekannte Modell der sog. Gemeindeschwester / Gemeindepflege hinaus.

Wir möchten in den nächsten Jahren in unserem Quartier Darmstadt-West und Alt-Bessungen beispielhaft aufzeigen, dass in einer gelungenen Kombination von ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagement (u.a. unser SeniorInnen-Mittagstisch, Freitagscafe, soziale Hilfe etc.) mit einer medizinischen Quartier-Lotsin, wesentliche Verbesserungen der gesundheitlichen Situation von SeniorInnen oder chronisch erkrankten Menschen zu erreichen sind.
Zweites Ziel ist die Ermöglichung des von den Betroffenen oftmals stark gewünschten möglichst langen Verbleibs in den eigenen Wänden. Was wiederum den städtischen Haushalt sehr viel Geld einsparen lässt (Hilfe zur Pflege im SGB XII).
Wir werden in mehreren Praxistests ganz konkrete und pragmatische Hilfestellungen für Seniorinnen und Senioren im Quartier vorstellen. Diese enthalten nicht nur Praxistipps, sondern werden in konstruktiver Kritik von Leistungsanbietern in diesem Bereich auch den Anspruch erheben, Dinge positiv zu verändern.

Der Start unseres Projektes war bereits am 01. Oktober 2025, die Vorbereitungen hierzu beschäftigen uns schon seit mehr als zwei Jahren. Aktuell können wir mit den vorhandenen Geldern eine 10 Stunden / Woche-Stelle für unsere Krankenschwester finanzieren. Ein guter Auftakt.
Wir bedanken uns herzlichst bei der Software AG Stiftung und Hele Avus Stiftung für die Finanzierung des Projektes, welches ohne öffentliche Gelder von Stadt, Land oder Bund betrieben wird.
Durch die sehr gute Inanspruchnahme des neuen Angebotes befinden wir uns bereits jetzt in der Situation, dass unsere Kapazität aktuell ausgeschöpft ist. Daher fokussieren wir uns bis zum Jahresende auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer bereits vorhandenen Begegnungsformate (SeniorInnen-Mittagstisch, Freitagscafe, unsere Soziale Hilfen sowie das Kundenumfeld des Umsonstladens und Kiosk 1975). Dann geht es zum Jahresauftakt im ganzen Quartier weiter…
Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.
