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Biotop: Tiere im Postsiedlungs-Biotop (19) – unsere Wildbienen (Teil 1)

von Jan Becker: Wie mittlerweile sicher weitestgehend bekannt ist, hat unser Biotop im Jahr 2020 den Preis „Wir tun was für Bienen“ der Initiative „Deutschland summt“ gewonnen. Das wir diesen Preis zurecht gewonnen haben möchten wir in der Serie „Bienen im Biotop“ zeigen. So konnten wir allein im März schon 18 verschiedene Bienenarten aus elf Gattungen im Biotop beobachten. Die ersten neun Arten möchten wir euch diese Woche vorstellen, die anderen neun dann in der nächsten Woche.

Honigbienen (Gattung Apis)

Westliche Honigbiene (Apis mellifera)

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist ein ständiger und sehr häufiger Gast in unserem Biotop. Die ersten Honigbienen waren sogar bereits Ende Februar unterwegs. Honigbienen sind ausgesprochen polylektisch, das heißt sie nehmen in der Regel jegliche Nektar- und Pollenquelle an, die sich ihnen bietet.

Hummeln (Gattung Bombus)

Die Hummeln sind durch ihre Größe und pelzige Behaarung relativ leicht von anderen Bienen-Gattungen zu unterscheiden. Innerhalb der Gattung wird es zum Teil jedoch schwieriger die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden, da sich einige Arten sehr ähnlichsehen und zusätzlich zum Teil noch verschiedene Farbvarianten existieren. Nichtsdestotrotz konnten im Biotop drei verschiedene Arten identifiziert werden, da diese sich untereinander deutlich unterscheiden.

Erdhummel

Die Untergattung der Erdhummeln umfasst drei Arten, die sich optisch so ähnlichsehen, dass sie nur anhand von genetischen Proben oder durch Untersuchung ihrer Geschlechtsorgane sicher unterscheiden lassen.

Allen drei Arten ist neben ihrem Aussehen auch die Lebensweise gemein. Sie alle haben ihre Nester die sich, wie der Name bereits sagt, in der Erde befinden. Dabei bezieht die Hummelkönigin bereits vorhandene Hohlräume, wie verlassene Mäusebauten oder Maulwurfsgänge. Auch die Erdhummeln sind, wie die Honigbiene, nicht sonderlich wählerisch was ihre Nektarquellen angeht und in Deutschland weit verbreitet.

Ackerhummel (Bombus pascuorum)

Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) ist in Deutschland ebenfalls weit verbreitet und in Siedlungsgebieten die am häufigsten anzutreffende Hummel-Art.  Auch sie nutzt wie die Erdhummeln zum Nisten gerne unterirdische Bauten, nistet aber auch an der Oberfläche in allen Hohlräumen, die groß genug für ihre Staaten sind. Auch diese Art besucht alle möglichen Arten von Blüten zum Pollen- und Nektarsammeln.

Steinhummel (Bombus lapidarius)

Auch die Steinhummel (Bombus lapidarius)ist in Deutschland weit verbreitet und im Siedlungsbereich häufig anzutreffen. Sie nistet oberirdisch bevorzugt in Steinhaufen oder Felsspalten, aber auch gerne in alten Gemäuern. Sie kann aber, wie die beiden vorangegangenen Arten, auch unterirdisch (z.B. in alten Mäusebauten) nisten. Auch die Steinhummel besucht die Blüten aller möglichen unterschiedlichen Pflanzen.

Holzbienen (Gattung Xylocopa)

Große Holzbiene (Xylocopa violacea)

Die Große Holzbiene (Xylocopa violacea) ist ebenfalls ein häufiger Gast im Biotop und war ebenfalls schon Ende Februar im Biotop zu beobachten. Sie ist die größte in Deutschland heimische Bienenart und wird in etwa so groß wie ein Maikäfer. Als wärmeliebende Art profitiert sie vom Klimawandel und nimmt dementsprechend in Deutschland kontinuierlich im Bestand zu. Die Tiere besuchen ebenfalls eine ganze Reihe von verschiedenen Blüten. Die Weibchen legen ihre Nester in morschem Holz an, was dieser Gattung auch ihren Namen gab.

Pelzbienen (Gattung Anthophora)

Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Viele Pelzbienen ähneln aufgrund ihrer pelzigen Behaarung (daher auch der Name) den Hummeln. Pelzbienen verfügen über einen stark ausgeprägten Sexualdimorphismus, dass heißt Männchen und Weibchen derselben Art sehen wahrnehmbar, zumeist deutlich unterschiedlich aus.

Bei der hier fotografierten Art handelt es sich, anhand der Betrachtung optischer Merkmale, höchstwahrscheinlich um die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), welche in Deutschland auch die häufigste Art unter den Pelzbienen ist.

Sie ist eine der Arten, die von den Hängen an den Rändern der ehemaligen Baugrube profitiert, da sie zum Nisten gerne Gänge in offene, geneigte Sandflächen gräbt. Aber auch in alten Gemäuern und Lehmwänden werden Nester in den Mörtel oder Lehm gegraben.

Auch die Frühlings-Pelzbiene ist polylektisch, sie besucht die Blüten von zwölf verschiedenen Pflanzenfamilien.

Seidenbienen (Gattung Colletes)

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)

Die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) ähnelt auf dem ersten Blick einer Honigbiene. Sie ist die Bienenart, die im Frühjahr in der größten Individuenzahl im Biotop nistet, mit mehr als 100 Individuen, die im niedrigen Schwirrflug über den Boden fliegen. Denn auch diese Art nistet bevorzugt in lockeren, offenen Sandflächen wie den Hängen der ehemaligen Baugrube im Biotop. Aber auch ebene, leicht bewachsenen Flächen werden von ihr besiedelt (s. zweites Bild).

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)

Auch diese Art hat ein weit gefasstes Spektrum an Pflanzen, von denen Pollen und Nektar gesammelt werden. Bevorzugt werden jedoch Weiden-Arten aufgesucht.

Blutbienen (Gattung Sphecodes)

Blutbienen gehören zu den Gattungen, die sich als sogenannte Kuckucksbienen fortpflanzen. Das heißt, die Weibchen legen ihre Eier in die Nester anderer Bienenarten, zumeist einer oder sehr weniger Arten. Dort tötet deren Larve die Larve des Wirtes und ernährt sich vom Nahrungsvorrat, den die Wirtsmutter für ihren eigenen Nachwuchs angelegt hat. Ihren Namen verdanken die Blutbienen ihrem rot gefärbten Hinterleib.

Blutbiene (Gattung Sphecodes)

Die meisten Blutbienen lassen sich anhand von Fotos nicht eindeutig bestimmen, da sie eine ähnliche Größe und Färbung aufweisen. In dem obenstehenden Foto kann man eine solche, nicht bis zur Art bestimmbare Blutbiene im Flug sehen. Einzig über den Besuch der Nester anderer Arten ließen sich ohne genetische Untersuchungen oder Betrachtung der Geschlechtsorgane Mutmaßungen über die Art anstellen.

Riesen-Blutbiene (Sphecodes albilabris)

Die Riesen-Blutbiene (Sphecodes albilabris) ist eine der wenigen Blutbienen, die sich mit bloßem Auge und anhand von Fotos eindeutig bestimmen lassen. Das liegt, wie der Name bereits vermuten lässt, allein schon an ihrer Größe, da sie die in Deutschland mit Abstand größte Blutbienenart ist. Die Männchen der Art besitzen darüber hinaus noch eine weiße Gesichtsbehaarung, was sie zusätzlich unverwechselbar macht. Die Weibchen legen ihre Eier nur in die Nester der Frühlings-Seidenbiene, weshalb ihre Anwesenheit im Biotop nicht sonderlich überrascht.

Das war es für diese Woche. Nächste Woche stellen wir euch dann die weiteren neun Arten vor, die im März im Biotop gesichtet und fotografisch festgehalten wurden.

Die Postsiedlung – Biodiversität findet Stadt.