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Akaziengarten: Doppelschlag des LBIH kurz vor Weihnachten – Bürgerbeteiligung nur als Verkündungstermin // neue Rodungsarbeiten

Da hatte das Darmstädter Echo auf den in Reaktion auf die Bürgerproteste eiligst angesetzten Pressetermin des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) vom 16.12.2021 schon verheißungsvoll via Schlagzeile verkündet: „Akazienpark Darmstadt: Die Zusammenarbeit soll besser werden“. Dann zeigt der LBIH in einer Machtdemonstration gegenüber dem Bürger, wer hier am längeren Hebel sitzt.

Der LBIH-Direktor persönlich verkündet die „neue“ Haltung seiner Behörde in einem erst seit kurzer Zeit in der Mediathek befindlichen Videobeitrag des Journalisten Julian Beimer von Rhein-Main TV.

Dort sagt er wörtlich: „Also ich kann mir das vorstellen, dass man sicherlich einmal im Jahr so ein Jour fixe machen kann, in dem man sagt was ist tatsächlich jetzt passiert. Weil, es wird nicht so viel jetzt in kurzen Zeitintervallen passieren, als dass man jeden Tag sagen müsste, ich muss die Bürger beteiligen – das würde auch arg langweilen.“

Wer sich dieses Stück Zeitgeschichte persönlich anschauen möchte, der kann das hier tun:

https://www.rheinmaintv.de/sendungen/beitrag-video/konzept-fuer-den-akaziengarten-vorgestellt/vom-17.12.2021/

Erst einmal ein großes Dankeschön an Julian Beimel von Rhein-Main TV. Er beweist einmal mehr: Wer als Journalist die richtigen Fragen stellt, der erhält Antworten, die zum Kern der Sache vorstoßen. Worte können Offenbarungen sein.

Eigentlich steht dieses Statement so zentral als Gesamtkunstwerk der LBIH-Performance in Sachen Akaziengarten im Raum, dass es gar keinen weiteren Kommentar benötigt. Trotzdem ein paar Worte:

Bürgerbeteiligung im LBIH-Wörterbuch der hessischen Demokratie ist, wenn es pro Jahr einen Verkündungstermin an die Bürger gibt, in dem der LBIH „sagt was ist tatsächlich jetzt passiert“. Dazu gibt es für jeden Bürger noch ein Glas Wasser und die Ehre, vom großen Staatsbetrieb eingeladen worden zu sein…

Schön finden wir, dass Thomas Platte in einer Art Freudschen Fehlleistung sein eigenes Desinteresse am Bürgerdialog so brilliant auf den Punkt bringt: „als dass man jeden Tag sagen müsste, ich muss die Bürger beteiligen – das würde auch arg langweilen.“ Ja, das würde ihn langweilen, wenn tatsächlich engagierte BürgerInnen sich für die Gestaltung von Landeseigentum einsetzen und mitsprechen wollen.

Dieses Statement zeugt von einem famosen Demokratieverständnis. Es ist abfällig und strahlt Überheblichkeit aus. Doch unsere Weihnachtsbotschaft an den LBIH und seinen Direktor lautet: Hochmut kommt vor dem Fall!

Doch wir haben in unserer Überschrift ja von einem „Doppelschlag“ des LBIH gesprochen:

Wir haben bereits kritisiert, dass im jetzt vorgelegten, angestaubten sog. Parkentwicklungskonzept des LBIH von 2014 fachliche Aspekte einer biodiversen Parkgestaltung keine Rolle spielen. Und als wolle man untermauern, dass man auch wirklich keine Ahnung hat, lässt der LBIH direkt nach seinem Pressetermin Rodungsarbeiten in sog. wilden Ecken in Parkrandlagen vornehmen.

Das Bundesumweltministerium schreibt in seiner Fachpublikation „Insektenfreundlich gärtnern“ zu den sog. „wilden Ecken:

„Um die Artenvielfalt (…) zu fördern, gibt es eine einfache Methode: Schaffen Sie wilde Ecken, wo Sie die Natur sich selbst überlassen – in unseren Breiten machen sich dort schnell Brenn- und Taubnesseln, Gundermann, Disteln, Giersch, Gräser und Klee breit. Denn einer der Hauptgründe für den Verlust vieler Spezies in Deutschland ist eine zu aufgeräumte und eintönige Landschaft.“

Der LBIH hingegen will aufräumen. Und vernichtet dabei großflächig Überwinterungsquartiere von Tieren und Insekten im Park, von den Pflanzen erst gar nicht zu sprechen.

Hier die Bilder dazu. So sah es bisher aus:

Das ist der Zustand nach den Rodungen:

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal eindringlich unsere zentrale Forderung wiederholen: Entzieht diesem inkompetenten Landesbetrieb die Zuständigkeit für diesen Park!

Schaffen wir mit den Fachleuten aus den engagierten Vereinen von AnwohnerInnen eine neue Struktur, welche den Park unter Natur- und Umweltgesichtspunkten wiederaufleben lässt!

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.