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Neubauten in Darmstadt-West: 1-Zimmer Wohnung, 25 Quadratmeter = 204.470 Euro…

In einer kleinen Serie schauen wir genauer auf den Neubau-Boom in Darmstadt-West & unserem Quartier in und um die Postsiedlung und stellen die Frage, wer hier eigentlich was genau baut und welche sozialpolitischen Folgen dies für unser Quartier hat.

Heute: Der kommende Oro-Apartments-Neubau in der Eschollbrücker Straße

Bis vor nicht allzu langer Zeit stand hier für viele Jahrzehnte ein REWE-Supermarkt, früher mal die untergegangene Kette Tengelmann, davor die ebenfalls nicht mehr existente Schade & Füllgrabe Supermarktkette. Nunmehr sind die Bagger an der Arbeit. Schon bald, so verkünden die bunten Schilder am Baustellen-Zaun, sollen hier die Oro-Apartments errichtet werden. Und eine integrierte städtische Kindertagesstätte.

Bauherr dieses Objekts ist die Living 24 GmbH aus Darmstadt, eine der vielen Firmen im Immobilien-Konglomerat des umtriebigen Darmstädter Investors Ergün Karakaya, dem auch die verschiedenen IBER GmbH´s oder das Abbruchunternehmen EMON gehören. Oder auch mittlerweile die Darmstädter Traditionsgaststätte Hotel-Restaurant Bockshaut. Vermarktet wird das Oro-Projekt hingegen von der Immobiliensparte der Sparkasse Darmstadt.

Hier einige bildliche Impressionen des Marketings:

Auf einer eigenen Internetseite präsentiert sich das Projekt professionell für die Zielgruppe, die nach eigenen Marketing-Aussagen angesprochen werden soll: Kapitalanlegerinnen und Kapitalanleger.

Da wir von offizieller Seite immer wieder hören, dass der angespannte Wohnungsmarkt nur mittels massiven Neubau entlastet werden kann, haben wir genauer hingeschaut. Sind die Oro-Apartments eine Chance für Singels, eine schöne Wohnung zu finden?

Ein kleiner Einblick in die Preisliste:

Fassen wir kurz zusammen: Die 1-Zimmer-Apartments sind einen Hauch größer als ein gewöhnliches, kompaktes Motel One Hotelzimmer. Oder IBIS. Oder andere Low-Budget-Hotels. Dafür wird allerdings mit einem Quadratmeter-Preis von deutlich über 8000,- Euro die Tür zum Luxus-Segment weit augestoßen.

Wir übertreiben wohl nicht, wenn wir sagen: Hier wird richtig viel Geld verdient.

Und: Die vielen Kapitalanleger, die selbst überhaupt kein Interesse haben werden hier einzuziehen, werden die Wohnungen wohl zur Vermietung anbieten. Bei einem Kaufpreis von 200.000 Euro fallen in Hessen nochmals knapp 25.000 Euro Gebühren im Kontext mit dem Kauf an (Notar- und Grundbuchkosten, Grunderwerbssteuer) an. Damit sich die Investition im Sinn des Anlegers lohnt, wird eine Miete von über 1000,- Euro im Monat genommen werden. Das wären dann ca. 40,- Euro pro Quadratmeter. Trotz Möblierung ein intergalaktischer Preis…

Unser Fazit für heute: Nach den Verlegerhöfen in der Holzhofallee (unser Artikel zuvor), wird hier erneut ein Neubau errichtet, der ein sehr gutes Geschäft für den Bauherren Ergün Karakaya und KollegInnen, die Vermarkter der Sparkasse Darmstadt und eine luxuriöse Anlegemöglichkeit für reiche Kapitalanleger aus Deutschland und anderswo darstellt.

Auf der Strecke bleiben Menschen aus dem Quartier, auch mit gutem durchschnittlichen Gehalt, die sich Mietpreise von 30,- oder 40,.- Euro für den Quadratmeter nicht leisten können.

Unsere kleine unregelmäßige Serie wird natürlich fortgesetzt…

Die Postsiedlung – Solidarität findet Stadt.